Tauben fliegen auf

Melinda Nadj Abonji hat einen mutigen, anrührenden Roman über eines der ältesten Themen der Welt geschrieben: Heimat. Wenn es stimmt, dass sich die Stimme eines Autors aus den Erfahrungen seiner Kindheit speist, dann kommt der Grundton im neuen Buch von Melinda Nadj Abonji aus der zerfallenden Welt des ehemaligen Jugoslawiens. „Tauben fliegen auf“ ist kein autobiografischer, aber doch ein dokumentarischer Roman, der von den Erfahrungen und Erinnerungen der Zürcher Autorin mit jugoslawischen Wurzeln lebt. Abonji erzählt in Rückblicken die Geschichte von Nomi und Ildikó, die bei ihrer Grossmutter in der Provinz Vojvodina aufwachsen, einem Gebiet mit ungarischer Minderheit im Norden Serbiens. Bis eines Tages Onkel Móric die Schwestern samt Koffern und Proviant in seinen roten Moskwitsch lädt und die Kinder in die Schweiz zu Mutter und Vater bringt. (...) Die fremde Kultur, die neue Sprache, die spürbaren sozialen Unterschiede im kleinen Dorf am rechten Zürichseeufer, die Eltern, die Tag und Nacht im Café Mondial für ihr Auskommen schuften: Nomi und Ildikó führen ein Leben mit angehaltenem Atem. Diesen Druck im Bauch überträgt Abonji gekonnt auf ihre Erzählstruktur. Hier fliesst nichts träge dahin, hier reihen sich Erinnerungen, Bilder, Träume, Alltagsberichte dicht aneinander. Abonjis klare, um Haltung bemühte Sprache, die dem Leben mit Scharfsinn und Kaltschnäuzigkeit begegnet, trägt sicher von Kapitel zu Kapitel.| Melinda Nadj Abonji | ![]() |
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| Tauben fliegen auf | ||
| Jung und Jung, Salzburg, 2010 | ||
| ISBN 978-3-902497-78-9 | ||
| Melinda Nadj Abonji erhielt für ihren Roman „Tauben fliegen auf“ den Deutschen Buchpreis 2010 und den Schweizer Buchpreis 2010 |
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