Dinge, die wir heute sagten

Die Gegend ist karg und unwirtlich, die Leute reden nicht viel, schon gar nicht über ihre Sorgen. Hinterrücks zerreißen sie sich natürlich trotzdem das Maul, und wer aus der Rolle fällt im vorpommerschen Bresekow, hat es schwer. Bei den Älteren kommt oft das Plattdeutsche durch, manchen steckt noch der Krieg in den Kno-chen, die mittlere Generation kämpft mit den Spätfolgen der Wende (…). Judith Zander, 1980 in Anklam geboren und mit ihrem Sujet bis in die dialektalen Verästelungen vertraut, gelingt ein beeindruckendes Debüt. Mit zahlreichen Anklängen an Uwe Johnsons „Jahrestage“ macht sie aus der geschichtslos wirkenden ostdeutschen Provinz eine literarische Landschaft. Ob die Dumpfheit der Jugendlichen, der Griff zur Flasche, der bäuerliche Eigensinn – die Lebensmuster gewinnen eine eigene Logik. Die perspektivische Aufsplitterung passt zum Gegenstand, denn es geht um lang verschwiegene Geheimnisse, die eine ungeahnte Dynamik entwickeln.
Maike Albath: „Barberei des Landlebens“
© Literaturen 5/2010
Judith Zander
Dinge, die wir heute sagten
Dtv, München, 2010
ISBN 978-3-423-24794-8
Dinge, die wir heute sagten
Dtv, München, 2010
ISBN 978-3-423-24794-8










