Wo die Löwen weinen
Der Krimi ist eine literarische Weltmacht. Kein Ort, kein Wohnzimmer, an dem nicht im Dunkeln getappt, Ängste überwunden und Verbrechen aufgedeckt würden. Das Verbrechen beispielsweise, das in der Ermordung einer Stadt besteht. Es ist nicht im Strafgesetzbuch verzeichnet. Deshalb muss die Literatur ran. Und addiert zu der Vernichtung eines Bahnhofs, gegen die schon die Bürger mit allen gebotenen Mitteln kämpfen, die Vernichtung einer Gottheit. Das Herz Stuttgarts in Schutt und Asche zu legen mag noch als Infrastrukturprojekt durchgehen, die Zerstörung eines Gottes nicht, denkt Heinrich Steinfest, der Österreicher, den es nach Stuttgart verschlagen hat. Und versenkt tief im geologisch noch unerschlossenen Boden des umkämpften Stuttgarter Tals ein mächtiges Artefakt, eine antike Maschinengöttin, die dort wacht und wartet und sich von den atavistischen Maschinenstürmern des Projekts S 21 partout nicht verrücken lässt. Im juristischen Prozedere würde man das Beweisumkehr nennen: Hier, in der Tiefe, stoßen Indolenz und omnipotente Selbstgewissheit der Herrschenden auf einen Widerstand, an dem sie scheitern.Tobias Gohlis: „Die Göttin ist da und dagegen“
© Die ZEIT, 3. März 2011
Heinrich Steinfest
Wo die Löwen weinen
Theiss Verlag, Stuttgart, 2010
ISBN 978-3-8062-2423-8
Wo die Löwen weinen
Theiss Verlag, Stuttgart, 2010
ISBN 978-3-8062-2423-8










