Richard Wagner

Belüge mich

© Aufbau  Verlag, Berlin, 2011 Richard Wagner: Belüge mich © Aufbau Verlag, Berlin, 2011 Wer in dieses verworrene System von Bespitzelung, Täuschung, Denunziation und Schuld hineingeraten ist, kann sich, das zeigt sich immer deutlicher, davon nicht mehr lösen. Richard Wagner ist 1987 mit Herta Müller, seiner damaligen Ehefrau, nach Deutschland gekommen. Sein neuer Roman mit dem bezeichnenden Titel Belüge mich ist voll von Geschichten von Verrat, von intimer und sozialer Grausamkeit. Es ist ein virtuoses Buch, das in aller Klarheit und Entschiedenheit der Komplexität persönlicher Verwicklungen gerecht wird; ein Roman, der in einem großen Bogen von den dreißiger Jahren bis in die Gegenwart vor allem die Kontinuität von Machtstrukturen offenlegt. Ein Text, der von Tallhovers nur so wimmelt. Wenn es in Wagners vielsprachigem Roman eine Protagonistin gibt, dann ist es Sandra Horn, eine Frau Anfang 30, die vor exakt 20 Jahren mit ihren Eltern Bukarest verlassen hat und nach Frankfurt am Main ausgereist ist. Nun, im Jahr 2005, soll sie, die Journalistin, im Auftrag ihrer Chefredakteurin in München ein marodes rumänisches Blatt, das der Verlag aufgekauft hat, zu einem modernen Frauenmagazin umbauen. Sandra braucht Stoff, und den bekommt sie; allerdings haben ihre Storys mehr mit ihr selbst und der Vergangenheit ihrer Familie zu tun, als ihr lieb sein kann. Wie ein Rhizom wuchert durch diesen Roman das dichte Netz von Verstrickungen, das Richard Wagner geknüpft hat.

Christoph Schröder: „Findigkeit der Spitzel“
© Der Tagesspiegel, 8. März 2011

Richard Wagner
Belüge mich
Aufbau Verlag, Berlin, 2011
ISBN 978-3-351-03336-1
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