Eine Dorfgeschichte

In lose aneinander gefügten Prosastücken lässt Katharina Hacker, 1967 in Frankfurt geboren, ihre namenlose Ich-Erzählerin von der Welt des Dorfes erzählen. Die Heldin wandelt sich, die Zeitebenen verschwimmen: Es gibt das Mädchen mit ihren beiden Brüdern Simon und Frederik, die eine verschworene Gemeinschaft bilden, obwohl ihre Beziehungen spannungsreich sind, es gibt aber auch die erwachsene Frau, die mit ihren eigenen beiden Töchtern in das Dorf zurückkehrt und die Tradition der Sommerfrische wieder aufnimmt. (…) Es ist die Atmosphäre der „Dorfgeschichte", die einen sofort gefangen nimmt. Weder das Dorf, das tatsächlich existiert und Breitenbuch heißt, noch die Kindheit sind ein Idyll. Einfühlsam und ohne je in ein Klischee abzurutschen, vermittelt Katharina Hacker die Eigenart dieser Lebensphase, in der Fantasien, Ängste, Wünsche ebenso real sind, wie die konkrete Wirklichkeit. In einem Fort erfinden die Kinder Erklärungen für die Rätselhaftigkeit der Erwachsenen, von der sie strikt getrennt leben. Die Zeitläufte haben sich in den Menschen abgelagert. Die Großeltern tragen die Erfahrung der Vertreibung mit sich herum, und der Krieg mit seinen Folgen rumort noch im Untergrund. Immer wieder borgen sich die Kinder den Leiterwagen aus und spielen Flucht. Alles scheint vom Unheimlichen, wie Sigmund Freud es beschreibt, durchdrungen. Maike Albath: „Erinnerungen an eine ländliche Welt“
© Deutschlandradio, Radiofeuilleton, 5. Oktober 2011
Katharina Hacker
Eine Dorfgeschichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2011
ISBN 978-3-10-030066-9
Eine Dorfgeschichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2011
ISBN 978-3-10-030066-9










