Michael Kumpfmüller

Die Herrlichkeit des Lebens

© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011 Michael Kumpfmüller, der mit dem Roman Hampels Fluchten, der satirischen Elegie eines Ruhelosen, einen Bestseller geschrieben und zuletzt mit der Nachricht an alle den Döblin-Preis errungen hat, wagt sich mit seinem neuesten Buch weit vor in literaturhistorisch brisantes Terrain. Und provoziert skeptische Nachfragen: Kann man dieses letzte Lebensjahr Franz Kafkas erzählen, wie Martin Walser über den alten Goethe der Marienbader Elegie geschrieben hat? Ist Kafka schon verfügbar geworden, eine literaturhistorische Antiquität? Oder verbieten seine magische Kälte und die grauenhafte Schnörkellosigkeit seines Stils nicht noch immer, ihn zu kopieren, gar nachzuerzählen? (…) Die mutige Empathie, mit der Kumpfmüller vom Todeskampf Kafkas und von der Lebenstreue Dora Diamants schreibt, die vorhandenen Berichte eher raffend als ausbreitend, die Atmosphäre des nur erst zu erahnenden epochalen Verlustes andeutend, sind beeindruckend. Und gehört zum Nachruhm Kafkas, zu seiner Weltwirkung, nicht eben auch die Anmaßung? Rührt nicht alle Erkenntnis von Anmaßung und Übertretung? Wir wissen durch Kumpfmüllers Buch nicht mehr über Kafka, aber wir lernen, mit ihm zu leben.

Dieter Hildebrandt: „Dora und der Tod“
© Die ZEIT, 25. August 2011

Michael Kumpfmüller
Die Herrlichkeit des Lebens
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011
ISBN 978-3-462-04326-6
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