Thomas Melle

Sickster

© Rowohlt Verlag, Berlin, 2011Thomas Melle: Sickster © Rowohlt Verlag, Berlin, 2011 „Sickster" heißt die grandiose Krankengeschichte, die der Berliner Autor und Nachtclubbesucher Thomas Melle jetzt als Romandebüt vorgelegt hat. Sie beginnt in Bonn, der alten Hauptstadt der heilen Welt des rheinischen Sozialpartnerschaftskapitalismus, und endet in einer Psychiatrie in Berlin-Mitte. Dort trifft Magnus Taue auf seinen alten Schulfreund Thorsten, der ihm zwischenzeitig als Tankstellenzusatzgeschäftsoptimierungsmarketingchef vorgesetzt war, bis Thorsten seinerseits durch Angst und Alkoholismus ins Schlingern geriet; und auch dessen Freundin Laura, eine originelle Paranoikerin, ist mit von der Psychosenpartie. Gemeinsam stricken sie an dem irrsten antikapitalistischen Plan, der antikapitalistischen Irren im Jahr 2011 wohl noch so einfallen kann: Mit einer Internet-Guerrilla-Aktion wollen sie die weltbeherrschenden Ölkonzerne zur Verbilligung des Benzins bewegen. Ein tolles Buch! Nicht zuletzt wegen der Kunstfertigkeit, mit der Melle im kalkuliert Unklaren lässt, ob es nun der Kapitalismus ist, der uns alle so krank gemacht hat, oder ob der Kapitalismus so krank ist, weil die Menschen, aus denen er besteht, bereits mit einem Knacks auf die Welt kommen.

Jens Balzer: „Kapitalismus und Schizophrenie“
© Frankfurter Rundschau, 14. Oktober 2011

Thomas Melle
Sickster
Rowohlt Verlag, Berlin, 2011
ISBN 978-3-87134-719-1
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