Marlene Streeruwitz

Die Schmerzmacherin

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2011Marlene Streeruwitz: Die Schmerzmacherin © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2011 Man muss sich an dieses Schnellfeuergewehr gewöhnen. Die Sätze rattern in kurzem Abstand, manchmal gibt es ein abruptes Stocken, einen Bruch im Rhythmus, ein Nachladen, aber sofort geht es weiter, knapp und atemlos. Marlene Streeruwitz hat ihren unbedingten Gegenwartsstil noch zugespitzt. Jeder Satz vibriert vor lauter Datenspeicherung, nimmt die Globalisierung, ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Sexualität als Waffe in sich auf. Es ist immer alles nah am Anschlag.
Amy Schreiber durchläuft gerade eine paramilitärische Ausbildung bei einem privaten Sicherheitsdienst und wird für den Einsatz in Krisengebieten wie Irak oder Afghanistan vorbereitet. Spätestens, wenn „allsecura", wie die Firma anfangs heißt, aufgekauft wird, den Namen ändert und an die Börse geht, zeigt sich, wie sehr es hier um harte, kommerzielle Jobs geht. Amy heißt eigentlich Amalie, ist 24 Jahre alt, Österreicherin und sehr hübsch. Sie hat ihr BWL-Studium abgebrochen und soll nun endlich etwas Ordentliches machen, es hätte genauso gut auch Model sein können.

Helmut Böttiger: „Raubvogelfutter“
© Süddeutsche Zeitung, 27. September 2011

Marlene Streeruwitz
Die Schmerzmacherin
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2011
ISBN 978-3-10-074437-1
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