Thomas Hettche

Totenberg

© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2012Thomas Hettche: Totenberg © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2012 So wie im Falle jener ägyptischen Papyrii, die einst aus dem Schlamm des Nils geborgen wurden und heute im Philosophikum der Universität Gießen in einem alten Schrank lagern, könnte auch von unserer humanistischen Kultur nach dem Übergang ins digitale Zeitalter nicht mehr übrig bleiben als ein paar Reste, die man irgendwann aus dem Sand ziehen wird. Das ist die Angst, aus der sich Thomas Hettches „Totenberg“ speist. (…) Auf den ersten Blick sind es Porträts, die „Totenberg“ versammelt. Thomas Hettche hat sich aufgemacht und Menschen besucht, die für ihn, für sein Leben, Schreiben und Denken, aus den unterschiedlichsten Gründen wichtig waren und immer noch sind: die Literaturwissenschaftlerin Christa Bürger etwa, den Regisseur Hans Jürgen Syberberg oder die Fotografin Angelika Platen. Diese Menschen zeigt Hettche in ihrem Denken und Empfinden, in ihrer Haltung, ihrer Zeit oder der Generation, der sie angehören, immer darauf bedacht, die Widersprüche und Bruchstellen aufscheinen zu lassen, die ein Leben ausmachen. Zugleich aber lagert Hettche in diese Porträts die eigene Biografie ein, durchmischt die Gespräche mit Erinnerungen aus der Kindheit, mit Erlebnissen und abgesprengten Bildern. In einer dritten, gezielt reflexiven Schicht setzt er sich mit Überlegungen von Autoren wie Ernst Jünger, Jacques Derrida oder Jan Philipp Reemtsma auseinander und versucht sich an einer Analyse und Deutung unserer gesellschaftlichen Gegenwart.

Nico Bleutge: „Der schwarze Schnee“
© Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2013

Thomas Hettche
Totenberg
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2012
ISBN 978-3-462-04463-8
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