Lisa Kränzler

Nachhinein

© Verbrecher Verlag, Berlin, 2013Lisa Kränzler: Nachhinein © Verbrecher Verlag, Berlin, 2013 Zwei Nachbarskinder, die in derselben Straße wohnen, freunden sich an. Die eine, die Ich-Erzählerin, kommt aus einem bürgerlichen Haus mit den üblichen Insignien der Wohltemperiertheit: Akademikereltern, Bücher, Klavier, Schallplatten. Das andere Mädchen entspringt der sogenannten Unterschicht, einer Welt der Schläge, des väterlichen Missbrauchs, der Zigaretten und des Suffs. (…) In der vorpubertären Unschuldsphase verschwistert man sich feierlich. Mit der Veränderung des Körpers aber trennt der soziale Graben die Mädchen für immer. Da ist nichts zu machen: Die Reinheit der besseren Welt will bewahrt werden, die Ansteckungsgefahr, die von der sozial abgehängten Seite ausgeht, von dem Dreck, dem Leid, dem Kaputten, ist zu groß. (…) Das war's? Natürlich nicht. Denn was an Handlung in einem innerlichkeitsbesessenen Adoleszenzroman fehlt, muss die Rhetorik, müssen die Metaphern und Allegorien kompensieren - und szenische Verdichtungen, mit der die Zeit angehalten wird. (…) So nervt zwar die bewusst eingesetzte, überaus manieristische Sprache und die eitel-klaustrophobische Perspektive der Erzählerin. Doch selten wurde dem Willen zur Poesie so viel realistische Grausamkeit abgerungen wie hier. Das Träumen ist Freundschaftsverrat. Denn die Außenwelt dient in diesem Roman zumeist nur der selbstverliebten Ausschmückung der Innenwelt.

Adam Soboczynski: „Träumen ist Freundschaftsverrat“
© Die Zeit, 21. Februar 2013

Lisa Kränzler
Nachhinein
Verbrecher Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-943167-16-0
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