Dirk Kurbjuweit

Angst

© Rowohlt Verlag, Berlin, 2012Dirk Kurbjuweit: Angst © Rowohlt Verlag, Berlin, 2012 Die Eingangsszene ist fulminant. Randolph Tiefenthaler, Mitte 40 und von Beruf Architekt, besucht seinen Vater im Gefängnis, in das der alte Mann gerade eingewiesen worden ist. Verkehrte Welt und schon als emotionale Konstellation beklemmend: Normalerweise besuchen Väter ihre Söhne im Gefängnis, nicht umgekehrt. Was ist vorgefallen? Eine furchtbare Tat. Ein Mann wurde umgebracht. (…) Kurbjuweits Roman erzählt die Vorgeschichte dieser ungewöhnlichen Konstellation. Und obwohl er den Mord, auf den die Handlung zuläuft, sogleich mehr oder weniger verrät (es bleibt noch Raum für eine Überraschung), büßt der Roman nichts an Spannung ein: Unbedingt will man wissen, was in dieser bürgerlichen Welt passieren konnte, dass ein Sohn seinen Vater im Gefängnis besucht. Es ist eine Geschichte der Selbstjustiz, das Genre, in dem aus rechtschaffenen Männern Gewalttäter werden.(…)
Nun führt ausgerechnet ein privat-familiärer Waffengang zur Annäherung zwischen Vater und Sohn. Dass man dem Schicksal, Sohn zu sein, nicht entkommt, entfaltet Kurbjuweit psychologisch so ausführlich und schulgerecht, dass am Ende leider gar keine Fragen offen bleiben. Da hat Kurbjuweit seinen Roman zu akkurat verschnürt, um ihm noch Luft zum Selberatmen zu lassen.

Ijoma Mangold: „Ein familiärer Waffengang“
© Die Zeit, 17. Januar 2013

Dirk Kurbjuweit
Angst
Rowohlt Verlag, Berlin, 2012
ISBN 978-3-87134-729-0
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