Christoph Ransmayr

Atlas eines ängstlichen Mannes

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2012Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2012 Das Buch nimmt uns mit auf seine Reise um die Welt: In Japan verliert sich eine Zikade im winzigen Blattwerk eines Bonsai, die Gestalt eines »urzeitlichen Tieres« annehmend. Der nackte Insasse einer griechischen Irrenanstalt wird von Wärtern über steinige Erde gezerrt und verschwindet in der Finsternis des Gebäudes. Im brasilianischen Urwald flieht eine von einem Lastwagen überfahrene Schlange sterbend ins Dickicht. Am Ende der 36. Episode entfernt sich der Autor selbst aus dem Bild, auf ein verlassenes Haus zugehend, ohne zu wissen, was ihn dort erwartet. (…) Atlas nennt nun auch Christoph Ransmayr sein neues Buch. Es ist eine überbordend reichhaltige Folge von Reiseimpressionen. Hier ist nichts mehr ausbaufähig: Das Material ist verlässlich erforscht. Die Reisen sind abgeschlossen.
Die siebzig Episoden des Buches beginnen jeweils mit der visionär-pathetischen Formel »Ich sah«. Das ist ein Kunstgriff, der parabelhafte Gültigkeit anzeigt. Man weiß von früheren Veröffentlichungen Ransmayrs, dass er furchtlos mit dem Erhabenen Umgang pflegt, was seinen Arbeiten bisher zuverlässig einen gigantischen Hallraum verschaffte. Jetzt wirft Ransmayr seinen Blick auf das Weltchaos: Ein reparaturresistenter Webfehler ist in die Geschichte des Abendlandes eingedrungen. Weltweite Verabschiedungen sind angesagt, ganze Ozeane sind auf dem Rückzug.

Gisela von Wysocki: „Die Welt ist voller Wunder“
© Die Zeit, 31. Oktober 2012

Christoph Ransmayr
Atlas eines ängstlichen Mannes
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2012
ISBN 978-3-10-062951-7
Links zum Thema