Robert Schindel

Der Kalte

© Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013Robert Schindel: Der Kalte © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013 Schauplatz des 660 Seiten starken, mit Dutzenden von Figuren bevölkerten Romans ist Österreichs Hauptstadt Wien. Der Deutsche Claus Peymann leitet das Burgtheater und das ehemalige NSDAP-Mitglied Kurt Waldheim wird Staatspräsident. Thomas Bernhard schreibt sein Stück „Heldenplatz“ und Alfred Hrdlicka meißelt am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. All das sorgt - auch über die Grenzen des Landes hinaus - für gehörigen Aufruhr. Aus ist es mit der Gemütlichkeit, Opernballidylle und Fiakerfahrt weichen hitzigen politischen Auseinandersetzungen und Fäkalattentaten.
Schindel beschreibt vordergründig Wiener Alltag in der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre. Tatsächlich aber porträtiert er ein ganzes Land, das bislang mit den Geistern der Vergangenheit ganz gut gelebt hat. Erst jetzt schickt es sich an, mit seinem Selbstverständnis als „erstem Opfer Hitlers“ zu brechen, ist genötigt, historischen Wahrheiten und eigenem Antisemitismus ins Angesicht zu schauen. Das ist spannend und humorvoll erzählt, aus verschiedenen Perspektiven, in Parallelgeschichten, lebendigen Dialogen und sprachlich eindringlichen Bildern.

Carsten Hueck: „Menschen in Wien – dürftig und bedürftig“
© Deutschlandradio Kultur, 13. März 2013

Robert Schindel
Der Kalte
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-518-42355-4
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