Botho Strauß

Die Fabeln von der Begegnung

© Carl Hanser Verlag, München, 2013Botho Strauß: Die Fabeln von der Begegnung © Carl Hanser Verlag, München, 2013 Was Botho Strauß hier entwirft, ist weniger eine technische Vision als vielmehr das spöttische Zerrbild gegenwärtiger Umgangsformen. Man hat die Liebeskunst verlernt und durch die flexible Beziehung ersetzt. Eine Beziehung, so lehrt diese Fabel, ist ein unbefristeter Vertrag, der erwünschte Eigenschaften in Austausch bringt, wie es bei Partnerbörsen geschieht. Man kann sich also leicht vorstellen, dass ein gut gemachter Kunstmensch gewissen Erwartungen sehr entgegenkommt. „Die Fabeln von der Begegnung“ heißt der neue Prosaband. Die Akteure der klassischen Fabel sind meistens Tiere. Hier sind es Menschen, aber sie erscheinen nicht als Meister ihres Geschicks, sondern als Getriebene ihrer Interessen. (…) Ein solches Erzählen auf hohem gedanklichen Niveau, eine solche Konzentration auf die Fundamente unserer Existenz, eine solche Expedition ins Unwegsame unserer Träume findet man bei keinem anderen deutschen Schriftsteller. Botho Strauß schreibt keine Familienromane, auch keine Selbstfindungsgeschichten, und der übliche Realismus, der sich mit der Abbildung dessen begnügt, was wir alle irgendwie kennen, ist ihm fremd. Botho Strauß ist eine vollkommene singuläre Erscheinung. Ein Glück für die Literatur, dass es ihn gibt.

Ulrich Greiner: „Nach dem Sturz“
© Die Zeit, 14. März 2013

Botho Strauß
Die Fabeln von der Begegnung
Carl Hanser Verlag, München, 2013
ISBN 978-3-446-24180-0
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