Anna Weidenholzer

Der Winter tut den Fischen gut

© Residenz Verlag, Salzburg, 2012Anna Weidenholzer: Der Winter tut den Fischen gut © Residenz Verlag, Salzburg, 2012 Anna Weidenholzer greift ein Thema auf, das Millionen von Menschen betrifft und das sich doch kein Unbetroffener wirklich vorstellen kann: Arbeitslosigkeit. Als Romanheldin wählt Weidenholzer mit großer Umsicht eine Frau, wie sie einerseits durchschnittlicher nicht sein könnte, was das Exemplarische ihres Schicksals unterstreicht, stattet diese Frau aber andererseits mit genügend skurrilen Absonderlichkeiten aus, um sie als Person für den Leser interessant zu machen.
Diese Maria Beerenburger ist eine verwitwete Frau Ende vierzig, eine Verkäuferin im Textilfachhandel, die 19 Jahre lang in einer Boutique gearbeitet hat, nur um vom Juniorchef mit schnöden Worten gekündigt zu werden: „(...) Sehen Sie es positiv, Sie haben jetzt die Freiheit, von vorn zu beginnen.“ (...) Die besondere Struktur des Romans unterstreicht die Zukunftslosigkeit dieser Existenz: Weidenholzer erzählt Marias Leben von der Gegenwart zurück bis zum Anfang. So spult sich Marias Werdegang in 54 teils ganz kurzen Kapiteln rückwärts ab, ihre misslungene Ehe vom Tod des Mannes zurück bis zum Kennenlernen, die große Liebe zu einem anderen Mann von dessen Verrat zurück zum ersten Liebesversprechen. Die Erzähltechnik im Krebsgang versperrt Marias Leben alle alternativen Ausgänge, betont aber auch die fatale Zufälligkeit ihrer Begegnungen und Entscheidungen.

Sigrid Löffler: „Allein und arbeitslos“
© Deutschlandradio Kultur, 12. März 2013

Anna Weidenholzer
Der Winter tut den Fischen gut
Residenz Verlag, Salzburg, 2012
ISBN 978-3-7017-1583-1
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