Silvia Bovenschen

Nur Mut

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013Silvia Bovenschen: Nur Mut © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013 Der Roman handelt von vier alten Damen, Charlotte, Johanna, Nadine und Leonie, die in einer weißen Villa an einem Fluss (in Berlin-Mitte) eine Wohngemeinschaft unterhalten. (...) Die Vertreter der Jugend, die in der weißen Villa zu Besuch sind, Dörte mit dem schönen Körper und dem restringierten Code („Willste in echt nix“) und Flocke, ihr unsicherer Verehrer, lassen tatsächlich nichts Gutes erwarten, aber auch deren Erzeuger können nicht genügen. „Das Einzige, was ihnen von der elterlichen Karriere- und Lachsackgeneration gelehrt worden ist, ist der Konsum, und das ist auch das Einzige, was sie wirklich gut können.“ Der Blick aus dem Fenster auf Berlin erbringt so eine neue Metapher des Lebenswegs: Jugend ist ein Wettlauf mit Kaffeetrinken aus Pappbechern. Jung sein, meint folglich Johanna, ist nicht gut, alt sein aber auch nicht. „Klassisches Dilemma.“ (...)
Mit „Nur Mut“ hat Silvia Bovenschen wieder tief in ihre reich gefüllte Trickkiste gegriffen. Unbekümmert und in grimmiger Heiterkeit bietet sie alles auf, was Lektoren wie kritische Edelfedern notorisch bemängeln. Roman im Roman im Drehbuchentwurf, unzuverlässiger Erzähler, Fiktionsbrüche, Ironie, gelehrte und triviale Anspielungen, kulturkritische, philosophische und poetologische Reflexionen. Für junge und alte Leser, die nicht zu den „Fanatikern des Realismus“ gehören, ist das bei allem Ernst des Themas ein großer Spaß.

Friedmar Apel: „Der Konsum ist das Einzige, was die Jugend gut kann“
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv, 27. Juli 2013

Silvia Bovenschen
Nur Mut
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013
ISBN 978-3-10-003523-3
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