Ulrike Edschmid

Das Verschwinden des Philip S.

© Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013Ulrike Edschmid: Das Verschwinden des Philip S. © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013 In dem auffallend tastend, geradezu anmutig geschriebenen Erinnerungsbuch „Das Verschwinden des Philip S.“ fällt der Name der Ich-Erzählerin nie. Der Verlag nennt das Buch „Roman“, was ein Verkaufstrick sein mag oder eine Vorsichtsmaßnahme. Denn es handelt sich um eine nicht ungefährliche, stark autobiografisch geprägte Rekonstruktion vierzig Jahre nach den Ereignissen; Ereignissen, die so schleichend wie unheimlich umgeschlagen waren in militante Radikalität, Terror und ideologisch motivierten Hass. Philip S. hieß im echten Leben Werner Philipp Sauber; er gehörte der „Bewegung 2. Juni“ an (was Ulrike Edschmid nicht ausspricht) und starb am 9. Mai 1975 in Köln nach einem Schusswechsel mit der Polizei. Die Liebesbeziehung zu Ulrike Edschmid war zu diesem Zeitpunkt bereits seit gut drei Jahren beendet. Seine letzten, in der Illegalität verbrachten Lebensjahre hatte sie nicht mehr aus der Nähe miterlebt. (…) Und das Besondere, auch Mutige ihrer Perspektive und ihres Stils ergibt sich eben hieraus: dass sie anschreibt gegen das politische Lagerdenken, ja dass sie versucht, sich davon frei zu halten. Der Gewinn ist erheblich: Ein Zeitbild entsteht von poetischer Eigendynamik; auf die konkreten Dinge kommt es der Autorin an. Ihre Prosa ist klar und gefühlvoll, aber niemals sentimental.

Ina Hartwig: „Wanderer auf Abwegen“
© Süddeutsche Zeitung, 22. März 2013

Ulrike Edschmid
Verschwinden des Philip S.
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-518-42349-3
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