Norbert Gstrein

Eine Ahnung vom Anfang

© Carl Hanser Verlag, München, 2013Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom  Anfang © Carl Hanser Verlag, München, 2013 Die Handlung des Romans lässt sich tatsächlich in einigen Sätzen zusammenfassen: Der Ich-Erzähler, wir erfahren nur seinen Vornamen, Anton heißt er, ist Lehrer an einem Kleinstadtgymnasium in Österreich. Auf einem Foto in einer Tageszeitung glaubt er, Daniel wiederzuerkennen, seinen ehemaligen Lieblingsschüler und Protegé. (…) Das höchst undeutliche Tageszeitungsfoto zeigt einen Mann, der verdächtigt wird, auf einem Bahnhof eine (allerdings in diesem Zustand nicht funktionsfähige) bombenähnliche Konstruktion platziert zu haben. Dieser Verdacht ist der Ausgangspunkt von Antons Erinnerungen, deren Niederschrift der Roman ist, den wir in der Hand halten; eine „Sprachübung in Erinnerung“. Die in den Text eingewobenen Denk- und Diskurslinien sind vielgestaltig und, das ist die große Kunst, auf bestechende Weise miteinander verknüpft. (…) In der Rückkehr zur eigenen Herkunft und im Vertrauen auf die Kraft seiner weitschweifenden, in hohem Maße eleganten Satzbögen, die in Kongruenz zum Bewusstseinszustand des Erzählers stehen, ist Gstrein ein großer Roman über geistige Verführung, Ideologieanfälligkeit und die Brüchigkeit von Erinnerungen gelungen.

Christoph Schröder: „Verführung“
© die tageszeitung, 10. August 2013

Norbert Gstrein
Eine Ahnung vom Anfang
Carl Hanser Verlag, München, 2013
ISBN 978-3-446-24334-7
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