Jonas Lüscher

Frühling der Barbaren

© C. H. Beck Verlag, München, 2013Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren © C. H. Beck Verlag, München, 2013 Quicky, der dickleibige Brite, fällt auf unter all den wohlgeformten, tadellos gekleideten und in vollendeter Selbstsicherheit sich wiegenden jungen Leuten, die ein üppiges Hochzeitsfest in der tunesischen Wüste feiern, nein, natürlich nicht in der Wüste selbst, Gott bewahre, sondern in einer exquisiten Oase, dem Wellness- und Luxushotel „Thousend and One Night Resort“. Sie sind angereist aus London und gehören einer Kaste an, die kurz davor steht, in den Abgrund gerissen zu werden: global agierende Finanzjongleure. Noch wissen sie aber nichts von ihrem Unglück.
Die Party steigt, man spart an nichts. Ein perfektes Fest – bis auf ein paar entscheidende Kleinigkeiten. (…) Während dann der Schlaf die Verdauungsarbeit leistet, „ging England unter“, wie Jonas Lüscher die unerhörte Begebenheit seiner Novelle „Frühling der Barbaren“ lakonisch vermerkt. Der Premierminister verkündet den Staatsbankrott. (…) Als am Morgen nach der Luxushochzeit bereits alle Kreditkarten gesperrt sind und aus der eben noch hofierten Kundschaft plötzlich Aussätzige geworden sind, denen das Frühstück und der Gebrauch der Duschen verweigert wird, weiß Quicky Abhilfe. (…) Man muss Jonas Lüscher dafür bewundern, wie er so viele brandaktuelle Sujets auf knapp 130 Seiten bündelt zu einem Lehrstück über den allzu zarten Firnis der Zivilisation.

Ina Hartwig: „Wenn die Masken fallen“
© Süddeutsche Zeitung, 22. Juni 2013

Jonas Lüscher
Frühling der Barbaren
C. H. Beck Verlag, München, 2013
ISBN 978-3-406-64694-2
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