Olga Martynova

Mörikes Schlüsselbein

© Droschl Verlag, Graz, 2013Olga Martynova: Mörikes Schlüsselbein © Droschl Verlag, Graz, 2013 Dass die Wörter keinen festen Boden haben, ihr Sinn niemals feststeht, merken Menschen, die in zwei Kulturen zu Hause sind, jeden Tag. Die in Leningrad aufgewachsene Schriftstellerin Olga Martynova lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland. Ihre Gedichte schreibt sie auf Russisch, ihre Prosa auf Deutsch. (…) „Mörikes Schlüsselbein“ erzählt von einer deutsch-russischen Patchworkfamilie. (…) Aber stimmt es denn, wenn man die Handlung so launig zusammenfasst? Und wie kommen dann all die anderen unter: der russische Dichter Fjodor Stern, dessen Vorfahren aus Deutschland stammen und der sich in New York zu Tode trinkt? Seine Frau Natascha und seine Tochter Mascha? Sein Übersetzer John Perlman, ein amerikanischer Literaturprofessor, der unter dem Decknamen John Green womöglich als Spion arbeitet? (…) Es [gelingt] Olga Martynova, die Patchwork-Existenzen ihrer Helden anschaulich zu machen, die weit über familiäre Verstrickungen hinausgehen. Was es heißt, wenn die eigenen Wurzeln frei in der Luft schweben und Verbindungen quer über die Kontinente und Zeiten eingehen, wird selten so sinnfällig wie in diesem Roman (…), der nicht nur von Deutschen, Russen, Amerikanern erzählt, sondern auch von den Zauberkräften der Sprache, dem Leitmedium zwischen Körper und Seele.

Meike Fessmann: „Wenn die Wurzeln frei in der Luft schweben“
© Süddeutsche Zeitung, 27. Mai 2013

Olga Martynova
Mörikes Schlüsselbein
Droschl Verlag, Graz, 2013
ISBN 978-3-85420-841-9
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