Clemens Meyer

Im Stein

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013Clemens Meyer: Im Stein © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013 Prostitution mag ein Geschäft sein, aber weil es sich bei der Ware um Sex handelt, um Körper, können die üblichen Business-Parameter hier nicht allein gelten. Das tun sie bei Clemens Meyer auch nicht. Es geht in seinem Roman zwar um so banal anmutende Dinge wie Angebot und Nachfrage, Sicherheiten und Risiken, Perspektiven und Profite. Viel mehr aber geht es um das Menschliche selbst in dieser Branche, mithin um Vertrauen und Verrat, Hoffnungen und Illusionen, Sehnsucht und Einsamkeit. Und gerade aus dem Wissen um den tiefen, letztlich unüberwindbaren Abgrund, der zwischen diesen beiden Seiten derselben Sache liegt, zieht der Roman „Im Stein“ eine enorme urwüchsige Kraft. (…) Meyer wechselt Tonhöhen, schwenkt vom umgangssprachlichen „Sag ich jetzt mal so“ einfacher Leute, meist einfacher Frauen, ins notgeile Gequatsche routinierter Freier und lässt in den fernen, halb verschütteten Kindheitserinnerungen der Bosse zuweilen so etwas wie Nostalgie anklingen. Er verschränkt Zeiten und Räume und hält seine Figuren doch immer in Selbstgesprächen gefangen. Und neben all der Pornographie, der Gewalt, der wabernden Angst, der Unruhe und der Ungewissheit ist es dieses Grundgefühl der krassen Verlorenheit, das sein Buch so schrecklich und so stark macht.

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© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv, 22. August 2013

Clemens Meyer
Im Stein
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013
ISBN 978-3-10-048602-8
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