Terézia Mora

Das Ungeheuer

© Luchterhand Literaturverlag, München, 2013Terézia Mora: Das Ungeheuer © Luchterhand Literaturverlag, München, 2013 Wir sind ihm schon im letzten Roman von Terézia Mora begegnet, dem übergewichtigen IT-Spezialisten Darius Kopp, der in „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ das Kunststück zuwege brachte, geradezu empörend arg- und harmlos und trotzdem sympathisch zu sein. (...) Vier Jahre später treffen wir neuerlich auf Darius, in dem monumentalen, einfallsreich komponierten und mit erzählerischer Wucht vorangetriebenen Roman „Das Ungeheuer“, der ein ganz anderes Licht auf die beiden Eheleute wirft. Der unverdrossen lebensfrohe Darius, nun ist er ein verwahrloster, in sein Unglück vernarrter Mitvierziger, der seit zehn Monaten die Wohnung nicht verlassen hat, sich vom Pizzadienst Nahrung bringen lässt, einmal täglich das Zimmer lüftet und heillos in seiner Verzweiflung gefangen ist. Denn Flora, die starke Flora, die fester in der Realität zu wurzeln schien als der träumerische, auch ein wenig oberflächliche Darius, ist tot, schlimmer: hat sich im Wald erhängt. Noch schlimmer: Auf ihrem Computer hat sie Tagebücher, Notate, Beobachtungen, Übersetzungen hinterlassen, bei deren Lektüre dem ratlosen Witwer bewusst wird, dass er seine Frau nicht gekannt hat; dass sie, mit der er zehn Jahre zusammen war, neben ihm gelebt hat, ohne sich ihm in ihren Nöten und Ängsten zu offenbaren, eine Fremde, die es am Ende vorzog, lieber zu sterben, als mit ihm zu leben.

Karl-Markus Gauss: „Ein Stammgast des Unglücks“
© Süddeutsche Zeitung, 21. September 2013

Terézia Mora
Das Ungeheuer
Luchterhand Literaturverlag, München, 2013
ISBN 978-3-630-87365-7
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