Marion Poschmann

Die Sonnenposition

© Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013Marion Poschmann: Die Sonnenposition © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013 Altfried Janich, ein korpulenter Psychiater, der seinen Patienten den Weg in die Realitätstüchtigkeit bahnen soll, ist selbst alles andere als eine gefestigte Persönlichkeit. Seine Wirkungsstätte ist ein zerbröckelndes Barockschloss im Osten Deutschlands, das zu einer Heil- und Pflegeanstalt umgebaut wurde. Dort ist er freilich mehr mit der Kultivierung seiner Obsessionen als mit der Heilung der Patienten beschäftigt. An Weltabgewandtheit überbietet ihn nur noch sein alter Freund Odilo, ein Spezialist für Biolumineszenz, dem das innere Leuchten der Materie oder das Schimmern eines Tannenzapfenfischs weit wichtiger scheint als Beziehungen zu Menschen.(…)
In vier grossen Kapiteln, die in stilistisch äusserst variationsreiche Unterkapitel aufgeteilt sind, blättert Marion Poschmann die Lebensgeschichte und die bizarren Devianzen der beiden Protagonisten vor uns auf. Dabei interessiert sie sich weniger für konventionelle Handlungslinien als für die seelischen Metamorphosen ihrer Helden, für ihre Grössenphantasien und Wahrnehmungsempfindlichkeiten. Das Resultat ist ein philosophisch hochintelligenter und erzählerisch virtuoser Roman über die Licht-Faszination zweier aufklärerischer Geister, die immer mehr ins Schattenreich des Wahns abgleiten.

Michael Braun: „Von der Nachtseite der Aufklärung“
© Neue Zürcher Zeitung, 5. Oktober 2013

Marion Poschmann
Die Sonnenposition
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2013
ISBN 978-3-518-42401-8
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