Peter Schneider

Die Lieben meiner Mutter

© Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2013Peter Schneider: Die Lieben meiner Mutter © Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2013 Schneider, Jahrgang 1940, beugt sich über die Zeit der eigenen Kindheit. Eine Idee, die nicht wenigen Schriftstellern an der Schwelle zum Alter in den Sinn kommt. Und nicht wenige Bücher, die sich dieser Idee verdanken, beginnen damit, dass der Autor Erinnerungsmaterial hervorkramt. (…) Es berichtet von der Annäherung an eine fremde Frau, es ist der Versuch des Psychogramms einer Unbekannten: der eigenen Mutter. Sie starb, als Peter Schneider acht Jahre alt war, im Jahr 1948. Das Bild, das sie in seinem Gedächtnis hinterließ, ist matt, fast nichtssagend. Und das Interesse an ihrer schriftlichen Hinterlassenschaft, am Konvolut ihrer Briefe, fand im Lauf eines umtriebigen Schriftstellerlebens keinen Raum. (…) Jetzt liest er sie. Und begegnet einem Frauenleben, das mit den tragischen Schicksalen einer Anna Karenina oder einer Emma Bovary weitaus mehr zu tun hat als mit der Mütterideologie des Nationalsozialismus. (…)
Peter Schneider erzählt hier vom Fall eines Liebeswahns. Aber so privat, so persönlich diese Geschichte auch ist, so unverkennbar vollzieht sie sich im Schatten des politischen Wahnsystems der NS-Zeit. In dieser Verknüpfung eines Einzelfalls mit historischer Zeitgeschichte liegt die Leistung autobiografischer Literatur.

Ursula März: „Die Glücksabsolutistin“
© Die Zeit, 11. Juli 2013

Peter Schneider
Die Lieben meiner Mutter
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2013
ISBN 978-3-462-04514-7
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