Thomas Stangl

Regeln des Tanzes

© Droschl Verlag, Graz, 2013Thomas Stangl: Regeln des Tanzes © Droschl Verlag, Graz, 2013 Zwei Schwestern, beide Anfang zwanzig, werden aus unterschiedlichen Erzählperspektiven, mal in der zweiten, mal in der dritten Person, auf ihren Wegen durch die Stadt begleitet. (….) Von den großen Ereignissen, von Umstürzen und Revolutionen mag immer wieder die Rede sein, doch Stangls Blick arbeitet nicht am Panorama, sondern verharrt konsequent in der Innenperspektive seiner Figuren. Welterkenntnis und mögliche Weltveränderung können auf diese Weise, wenn überhaupt, nur Resultate von Selbsterfahrung sein, die aber wiederum permanentem Zweifel unterzogen ist: Was ist Wahrheit? Was ist Realität, und was ist Produkt einer Illusionsmaschine? Zwei Schwestern also, Mona heißt die eine, die andere bleibt namenlos. Tänzerinnen sind sie wohl, rastlos sind sie beide, getrieben, hochnervös; eine Atemlosigkeit, die hin und wieder an die Prosa einer Marlene Streeruwitz erinnert. Die eine Schwester lässt sich mitreißen vom Strom der Demonstrationen; die andere, Mona, geht ihre Sonderwege, verschwindet für Wochen, strandet hier und dort, bei Männern, in Kneipen, um schließlich in einem Akt vollendeter Konsequenz ihre Selbstauslöschung zu betreiben.

Christoph Schröder: „Bösartige Gnome“
© Die Zeit, 29. August 2013

Thomas Stangl
Regeln des Tanzes
Droschl Verlag, Graz, 2013
ISBN 978-3-85420-846-4
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