Nellja Veremej

Berlin liegt im Osten

© Jung und Jung Verlag, Salzburg und Wien, 2013Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten © Jung und Jung Verlag, Salzburg und Wien, 2013 Lena und Herr Seitz teilen nicht nur die Liebe zur Kultur des Ostens, der Osten ist auch ein Schatten, den beide wie Adelbert von Chamissos Peter Schlehmil nicht loswerden. Sie haben einen Großteil ihres Lebens unter roten Fahnen verbracht, die Antennen bleiben noch immer nach links gerichtet, auch wenn sie sich alle Mühe geben, sie stets gerade zu rücken. (…) Aus einer Sprache, die nicht ihre Muttersprache ist, zaubert die 1963 in der Sowjetunion geborene Nellja Veremej eine wundervolle Berlin-Geschichte und einen lebensklugen Wenderoman, eine melancholische Symphonie dieser rauhen Großstadt, die in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu die Hälfte ihrer Einwohnerschaft ausgetauscht hat. Es ist ein spätes, reifes Romandebüt, kein Fräuleinwunder- oder Hipster-Buch, eines, das unter den vielen neuen Berlin-Romanen wirklich gefehlt hat, eines, das beim Lesen unter die Haut geht. (…)
In Nellja Veremejs erstem Roman geht es um Lebenslügen und Selbstbetrug, falsche Hoffnungen und richtige, wenn auch späte Einsichten, um Sehnsucht und darum, wie man das Flüchtige der Städte bewohnt. Berlin, jene Durchgangsstation, wie Joseph Roth es einmal formulierte, in der man aus zwingenden Gründen länger bleibt, bietet dafür wie vor fast hundert Jahren eine grandiose Bühne.

Sabine Berking: „Wem der Osten noch am Gaumen klebt“
© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv, 4. Juni 2013

Nellja Veremej
Berlin liegt im Osten
Jung und Jung Verlag, Salzburg und Wien, 2013
ISBN 978-3-99027-031-8
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