Belletristik – Romane, Erzählungen, Lyrik, Krimi

    Ursula Ackrill: Zeiden, im Januar © Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2015

    Ursula Ackrill
    Zeiden, im Januar

    „Zeiden, im Januar“ fokussiert sich in seinem erzählerischen Kern auf einen einzigen Tag, den 21. Januar 1941. Von dort aus schlägt Ursula Ackrill weite Bögen in die Vergangenheit. Sie betreibt Mentalitätsforschung an einer Landsmannschaft, der sie selbst angehört, den Siebenbürger Sachsen, der deutschen Minderheit in Rumänien, die stets ein Spielball der geschichtlichen Entwicklungen gewesen ist, 1867 Ungarn zugeschlagen wurde, nach dem Ersten Weltkrieg dann Rumänien; eine Volksgruppe im Zwiespalt zwischen dem Verlust der politischen Selbstbestimmung auf der einen und einem ungebrochenen Selbstbewusstsein im Hinblick auf die eigene Stellung auf der anderen Seite.Mehr ...
    Henning Ahrens: Glantz und Gloria. Ein Trip © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2015

    Henning Ahrens
    Glantz und Gloria. Ein Trip

    Es gibt keinen bösen Ort, nur eine gefährliche Haltung, die sich in Zäunen und anderen Abgrenzungsmaßnahmen manifestieren kann. So geschieht es in ,,Glantz und Gloria“, Ahrens' neuem Buch, das den Untertitel ,,Ein Trip“ trägt. Völlig zu Recht. Denn schon nach wenigen Seiten dieses schmalen, aber sprachlich und motivisch hochverdichteten Buchs stellt sich die Frage, ob uns der Erzähler hier nicht auf eine ganz üble Albtraumreise in ein durchgeknalltes Dunkeldeutschland mitgenommen hat. Ein Land, das sich aus reiner Fantasie speist und das doch, gerade angesichts der Massen von besorgten Bürgern in Freital und anderen Gemeinden, sehr viel mit unserer Gegenwart zu tun hat.Mehr ...
    Friedrich Ani: Der namenlose Tag © Suhrkamp Verlag Berlin, 2015

    Friedrich Ani
    Der namenlose Tag

    Ein pensionierter Kriminalbeamter ist die neue Ermittlerfigur von Friedrich Ani, eines mit Krimipreisen vieldekorierten Autors, von dem man aber gar nicht unbedingt sagen möchte, dass er sogenannte Krimis schreibe. Keineswegs gibt es immer Tote in seinen Büchern, manchmal geschieht nicht einmal ein Verbrechen, und Polizisten sind oft nur Randfiguren. Auch Jakob Franck, Anis neuer Held, ist erstens nicht mehr Polizist und muss zudem auch in seiner Eigenschaft als noch amtierender Kriminalbeamter ein außergewöhnlicher Charakter gewesen sein. Da er über eine besondere Einfühlungsgabe verfügt, gehörte es unausgesprochen zu Francks Aufgaben, Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen.Mehr ...
    Antonia Baum: Ich wuchs auf dem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stossstangen zu ernähren © Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 2015

    Antonia Baum
    Ich wuchs auf dem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stossstangen zu ernähren

    Romy, Clint und Jonny haben keine Mutter. Und ob sie einen Vater haben, wissen sie manchmal auch nicht. Obwohl sie ihre tote Mutter Mama nennen, heißt Theodor immer nur Theodor. Er ist Arzt, Künstler, Krimineller, Anarchist und Autoschrauber, aber kein Vater, wie ihn Kinder sich wünschen: Das Haus, in dem die Familie lebt, ist ein einziges Chaos, und als das Jugendamt sich einschaltet, macht Romy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt ist, sich erst einmal Sorgen, wie Theodor wohl ohne sie zurecht käme, wenn sie ins Heim müssten.(…)Mehr ...
    Nora Bossong: 36,9 Grad © Carl Hanser Verlag München, 2015

    Nora Bossong
    36,9 Grad

    „Jetzt, nachdem ich ein Leben lang neben Gramsci hergetrottet war, er mich verdeckt hatte, getreten, in die kleine Form gezwungen, jetzt war es an ihm, dass er mir einmal, ein einziges Mal zumindest beistand“: Dieser Herzenswunsch des Gramsci-Forschers Anton Stöver, des zweiten Helden in Nora Bossongs neuem Roman, ihrem vierten, wird nicht in Erfüllung gehen. Denn Antonio Gramsci, der legendäre Chefideologe der Kommunistischen Partei Italiens, den Mussolini von allen seinen politischen Gegnern am meisten fürchtete und den er im November 1926 als Parlamentsabgeordneten verhaften und zehn Jahre im Gefängnis dahinsiechen ließ, konnte sich selbst nicht helfen.Mehr ...
    Thomas Brussig: Das gibts in keinem Russenfilm © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2015

    Thomas Brussig
    Das gibts in keinem Russenfilm

    Man sagte das im Osten so: Das gibt’s in keinem Russenfilm. Was hieß: Etwas ist noch viel verpeilter und haarsträubender, als man es in der DDR ohnehin erwarten musste. Das war selbstverständlich ungerecht gegenüber dem sowjetischen Kino. Aber das lag nicht im näheren Interesse. Im Osten lebte man in einer vitalen Vorurteilskultur.Mehr ...
    Jenny Erpenbeck: Gehen, Ging, Gegangen © Albert Knaus Verlag München, 2015

    Jenny Erpenbeck
    Gehen, Ging, Gegangen

    Jenny Erpenbeck hat das Buch der Stunde geschrieben. Während überfüllte Züge mit Flüchtlingen aus Ungarn in Deutschland ankommen, während Leichen aus Lastwagen geborgen werden und das Mittelmeer zu einem Gewässer des Todes verkommen ist, während die europäischen Regierungen über ihr Versagen in der Asylpolitik streiten und die Bevölkerung sich in Besorgte und Alarmierte, in Helfer und Randalierer teilt, erscheint ihr fünfter Roman, der all das zum Thema hat. Es ist ein trauriger Glücksfall für die deutsche Literatur, den Erpenbeck, 48, uns hier beschert. (...)Mehr ...
    Mirna Funk: Winternähe © S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2015

    Mirna Funk
    Winternähe

    Statt der Alles-ist-möglich-Moral zu frönen, lernt Lola, die Protagonistin aus Mirna Funks Roman Winternähe, von einem auf den anderen Tag, ihre jüdischen Wurzeln als Kern ihrer Identität wahrzunehmen. Und zwar aus einem Widerstandsgefühl heraus. Nachdem sich die Fotografin auf Facebook und am Arbeitsplatz mit Holocaustverharmlosungen konfrontiert sieht, beschließt sie, ihr bisheriges Dasein über den Haufen zu werfen und begibt sich nach Tel Aviv, wo sie schmerzlich die Ausmaße des Gaza-Konflikts erfahren muss.Mehr ...
    Nora Gomringer: achduje. Sprechtexte © Der gesunde Menschenversand Luzern, Edition Spoken Script, 2015

    Nora Gomringer
    achduje. Sprechtexte

    Poeten, die sich als Propheten aufspielen, sind lange schon außer Mode. Aber in ihrem Gedichtband „Klimaforschung“, der die Zukunftsbranche unserer Tage im Titel führt, hat sich die Dichterin Nora Gomringer doch zu einer Prophezeiung hinreißen lassen. Im Gedicht „Fortsetzung“ heißt es: „Nora Gomringer wird eines Tages eine Spezialistin sein.“ Stimmt. Wenn Gomringer nämlich nicht wie in diesem Jahr in den Jagdgründen der Prosa wildert und gleich mal den Bachmannpreis in Klagenfurt gewinnt, dann ist sie Spezialistin für Lyrik: für rasante, schalkhafte, augenzwinkernde, selbstironische, heitere Lyrik.Mehr ...
    Dana Grigorcea: Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit © Dörlemann Verlag Zürich, 2015

    Dana Grigorcea
    Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit

    Victoria kehrt nach Jahren in der Schweiz in ihre rumänische Heimat zurück, um auch hier als Bankerin zu arbeiten, wird aber, nach einem Überfall ihrer Filiale, zu Zwangsurlaub und Gesprächstherapie genötigt. Diese Gespräche mit der reizenden älteren Therapeutin genauso wie die Fahrten mit ihrem Verlobten durch Bukarest werden zum Erzähl- und Erinnerungsanlass. Unzählige Anekdoten, kleine Szenen blitzen auf, ungeordnet, sprudeln aus dem Kontext gerissen hervor, so dass nach und nach ein, wenngleich kaum fixierbares Bild des Vorwende-Rumäniens entsteht, das nicht zuletzt (…)Mehr ...
    Heinz Helle: Eigentlich müssten wir tanzen © Suhrkamp Verlag Berlin, 2015

    Heinz Helle
    Eigentlich müssten wir tanzen

    Ein Wochenende in Tirol, so war es gedacht, eine Männerrunde, die alte Gang, wie so oft versammelt auf Grubers Hütte, wo man nichts tut als sich zuzuschütten und den Alltag zu vergessen. (…) Doch dann sehen sie fernen Feuerschein im Tal. Kurz darauf folgt der Abstieg in ein verwüstetes Land - während sie oben an der Baumgrenze waren, ist unten in der Ebene die Welt untergegangen.
    Es ist eine lange Wanderung, von der Heinz Helles Roman ,,Eigentlich müssten wir tanzen“ erzählt, eine Wanderung ohne Ziel, angetrieben allein von der Suche nach Nahrung und Resten menschlichen Lebens.Mehr ...
    Kat Kaufmann: Superposition © Hoffmann und Campe Verlag Hamburg, 2015

    Kat Kaufmann
    Superposition

    Authentizität ist nicht mehr nur das Zauberwort der Stunde, sondern schon seit geraumer Zeit ein Pfund, mit dem auf dem Buchmarkt gewuchert wird, gerade dort, wo es um die Entdeckung des literarischen Nachwuchses geht. (…) Das soeben mit dem „aspekte“-Literaturpreis ausgezeichnete Romandebüt der 1981 in St. Petersburg geborenen Kat Kaufmann, deren Kurzvita darüber informiert, dass sie mittlerweile als Schriftstellerin, Komponistin und Fotografin in Berlin lebt, mag sich dem ersten Anschein nach wunderbar diesem Authentizitätspostulat beugen.Mehr ...
    Steffen Kopetzky: Risiko © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2015

    Steffen Kopetzky
    Risiko

    „Risiko“ ist, was man eine Art historischen Roman nennen könnte. Tatsächlich hat es während des Ersten Weltkriegs eine deutsche Geheimexpedition nach Afghanistan gegeben, deren Ziel es war, den dortigen Emir Habibullah dazu zu bewegen, auf Seiten des Deutschen Reiches und der k.u.k.-Monarchie, gegen das britische Empire zu kämpfen, das heißt, Aufruhr in der indischen Kolonie zu schüren. Von einem auf deutsche Veranlassung entfachten Dschihad ist die Rede.Mehr ...
    Dirk Laucke: Mit sozialistischem Grusz © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2015

    Dirk Laucke
    Mit sozialistischem Grusz

    Der Autor, aufgewachsen in Halle an der Saale, erfindet den Icherzähler Philipp aus Bitterfeld, 20, der sich nach dem Abitur an einer Berliner Kunsthochschule bewirbt, zunächst aber nicht genommen wird.
    Das Amt drückt ihm eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme rein: täglich acht Stunden Grünflächenpflege (...). Philipps Vater Hermann, ein einfacher Mann, den die Wende den Job und die Frau gekostet hat, sorgt sich mindestens so sehr um seinen Sohn wie um sich selbst. Und so tippt er mit seinen dicken alten Ringerfingern einen Brief aus Bitterfeld an Margot Honecker in Chile.Mehr ...
    Klaus Modick: Konzert ohne Dichter © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2014

    Klaus Modick
    Konzert ohne Dichter

    Das literarische Reenactment einer Künstlerfreundschaft hat Modick in seinem Kalifornien-Roman „Sunset“ mit den Protagonisten Feuchtwanger und Brecht schon geübt. Und doch liegt ihm, dem gebürtigen Oldenburger, das norddeutsche Milieu viel näher als die oft von ihm favorisierten amerikanischen Schauplätze. So ist ihm diesmal eine sehr charmante Kreuzung aus Künstler- und Heimatroman gelungen, in der die Aporien der utopisch verklärten „Lebensform Worpswede“ am trockenen Humor der Region abprallen.Mehr ...
    Matthias Nawrat: Die vielen Tode unseres Opas Jurek © Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg, 2015

    Matthias Nawrat
    Die vielen Tode unseres Opas Jurek

    Speziell der Einfluss von Gombrowicz schimmert auf jeder Seite dieses zum einen angenehm sarkastischen, zum anderen von großer Empathie für die Makel des Menschen geprägten Buches durch. Man könnte also versucht sein zu denken: Dieser Autor sei ein progressiver Sprachkünstler, ein Ironiker, ein Liebhaber des Absurden und Grotesken, kurz gesagt: ein abgeklärtes Kind der Postmoderne. (...) Dabei ist Nawrat vor allem ein oberschlesisches Spätaussiedlerkind: Seine Familie gehörte in Polen zu den Tausenden Ausreisewilligen mit deutschen Wurzeln, die es noch geschafft haben, ihre Heimat kurz vor der Wende zu verlassen, um BRD-Bürger zu werden.Mehr ...
    Norbert Niemann: Die Einzigen © Berlin Verlag, Berlin, 2014

    Norbert Niemann
    Die Einzigen

    Norbert Niemann verfolgt in seinem Roman eine New-Wave-Gruppe aus den achtziger Jahren bis heute und sogar darüber hinaus: Was ist aus den flirrenden Bassläufen geworden, bei denen alles möglich war, was aus dem Konzept, den Massengeschmack mit Pop zu unterwandern und die verkrusteten Strukturen aufzubrechen? Dabei wird die Vergangenheit keineswegs verklärt, das wird gleich auf den ersten Seiten klar.Mehr ...
    Karl-Heinz Ott: Die Auferstehung © Carl Hanser Verlag München, 2015

    Karl-Heinz Ott
    Die Auferstehung

    Der Vater ist also gestorben, nun liegt er auf einem Tisch in der Mitte des Wohnzimmers, um den herum sich seine vier Kinder versammelt haben. Uli, Jakob und Joschi sind vor allem auf Lindas Wunsch hin so schnell gekommen. Bevor ein Arzt den Totenschein ausstellt, will sie mit ihren Brüdern ein Strategiegespräch über die Rückeroberung des schon verloren geglaubten Erbes führen. In seinen letzten Jahren hatte sich der Vater von einer osteuropäischen Pflegekraft nicht nur pflegen lassen. Nun fürchtet man das Geld, das alle vier gut gebrauchen könnten, schon auf dem Weg in den Balkan. Die Zeit drängt. Der Rahmen im neuen Buch Karl-Heinz Otts ist gesetzt. (…)Mehr ...
    Ulrich Peltzer: Das bessere Leben © S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2015

    Ulrich Peltzer
    Das bessere Leben

    Ein nicht mehr ganz junger Manager der mittleren Ebene, zuständig für „Sales“, Verkäufe, wird nach vierzehnjähriger Betriebszugehörigkeit entlassen. Seine Leistung, die „Performance“, hatte zuletzt nicht mehr überzeugt. Ein Großauftrag in Indonesien – es geht um Anlagen für Kunststoffbeschichtung – kam nicht zustande. Außerdem bedrängt die chinesische Konkurrenz mit billigen Preisen das traditionsreiche italienische Unternehmen, für das Jochen Brockmann, der entlassene Manager, arbeitete. Dieses gerät außerdem ins Visier von Finanzinvestoren, die mit Übernahme und brutalen Sanierungsmaßnahmen drohen. Brockmann muss eine neue „Herausforderung“ finden – warum nicht gleich in China?Mehr ...
    Heinz Rein: Finale Berlin © Verlag Schöffling & Co., Frankfurt am Main, 2015

    Heinz Rein
    Finale Berlin

    „Finale Berlin“ spielt in den letzten Wochen der Reichshauptstadt, vom 14. April bis zum 2. Mai 1945, doch erzählt Heinz Rein nicht nur von der Schlacht um Berlin, er entfaltet zugleich ein Panorama der nationalsozialistischen Gesellschaft. Jeder Typus hat seinen Auftritt: Bonzen, Mörder, Mitläufer, Fantasierte und Feige, Verfolgte, Illegale, Desillusionierte, Durchschnittsmenschen, ja, Leute wie du und ich. Dies ist eine Geschichte der Zerstörung Berlins, eine wütende Anklage, ein Roman, der den Leser ganz packt und ihn nicht wieder los lassen will.Mehr ...
    Peter Richter: 89/90 © Luchterhand Literaturverlag, München, 2015

    Peter Richter
    89/90

    Der Sommer 1989 ist kein schlechter Zeitpunkt, um im Osten Deutschlands 16 zu werden. Der Freiheitsdrang, die Umbruchstimmung und die Anarchie, die sich da schon ankündigen und ein paar Monate später das Land erfassen, passen gut zum Seelenzustand eines Teenagers.Mehr ...
    Ralf Rothmann: Im Frühling sterben © Suhrkamp Verlag Berlin, 2015

    Ralf Rothmann
    Im Frühling sterben

    Das Schweigen, das tiefe Verschweigen, besonders wenn es Tote meint, schreibt Ralf Rothmann gleich zu Beginn seines Romans, ist letztlich ein Vakuum, das das Leben irgendwann von selbst mit Wahrheit füllt. Die große Stille jedoch, die den Vater des Erzählers umgab, als der Sohn noch ein kleiner Junge in Oberhausen war, sollte sich von selbst nicht füllen, sondern blieb ein Leben lang ungebrochen. (..) Von diesem Versuch, der Rekonstruktion eines Lebens, dessen Traumata sich auf den Nachgeborenen verschoben haben, handelt der Roman „Im Frühling sterben“ (…, der) den Leser in seiner Binnengeschichte in die letzten Kriegsmonate nach Norddeutschland versetzt.Mehr ...
    Rafik Schami: Sophia oder Der Anfang aller Geschichten © Carl Hanser Verlag München, 2015

    Rafik Schami
    Sophia oder Der Anfang aller Geschichten

    In der syrischen Hauptstadt hat Rafik Schami, der Syrer mit dem Wohnsitz in Deutschland, seinen neuen großen Roman angesiedelt. Natürlich liest man „Sophia oder Der Anfang aller Geschichten“ auch unter dem Eindruck der aktuellen Katastrophe im Land. Aber nein, dieser Roman erzählt nicht die Geschichte des Bürgerkriegs und schon gar nicht die der Eroberungen durch den Islamischen Staat. Aber ja, dieser Roman führt vielfach vor Augen, welch gemeingefährliches Folter-Regime die syrische Bevölkerung unterdrückt. Schami erzählt Salmans Geschichte, der wie der Autor vor Jahren Syrien verlassen hat und in Europa erfolgreich ist. (…)Mehr ...
    Norbert Scheuer: Die Sprache der Vögel © C. H. Beck Verlag, München, 2015

    Norbert Scheuer
    Die Sprache der Vögel

    Paul Arimond, 24 Jahre alt, ist Soldat. Sanitätsobergefreiter im vierten Infanteriebataillon. Er gehört zu jenen jungen Frauen und Männern, denen 2003 gesagt wird, dass sie am Hindukusch „die Freiheit dieses Landes und die Freiheit der westlichen Welt“ verteidigen. Doch Paul ist nicht aus ideologischer Überzeugung aus der Eifel in die Ferne gezogen.Mehr ...
    Clemens J. Setz: Die Stunde zwischen Frau und Gitarre © Suhrkamp Verlag Berlin, 2015

    Clemens J. Setz
    Die Stunde zwischen Frau und Gitarre

    Für Natalie, die Protagonistin des Romans „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, haben Wörter nicht nur Farben. Das Wort „bitterlich“ ist „ein schönes, gefranstes Wort mit Kiemen an den Seiten“. (...) Natalie ist 21 und tritt ihre erste Stelle als Pflegerin in einem kleinen, privaten Behindertenwohnheim an. Auch wenn sie den letzten „Grand Mal“-Anfall als Kind hatte, ist die Epileptikerin in ständiger Selbstbeobachtung: Wenn sie sich bückt, „streift sie der Tod“? Naht ein Anfall, fühlt sie sich „aurig“? Sie versucht sich durch kleine, ständig neu zu erfindende Rituale im Gleichgewicht zu halten. (...)Mehr ...
    Anke Stelling: Bodentiefe Fenster © Verbrecher Verlag Berlin, 2015

    Anke Stelling
    Bodentiefe Fenster

    Absolut glaubwürdig ist alles, was Anke Stelling in ihrem neuen Roman mit dem großartigen Titel „Bodentiefe Fenster“ beschreibt. Das Hauen und das Stechen in der Baugruppe, also dem „Gemeinschaftshaus“, wie sie es nennen: So und kein bisschen anders geht es, wie man immer wieder hört, in derlei „Projekten“ zu – ganz besonders wahrscheinlich im berühmt-berüchtigten Berliner Ex-Szeneviertel Prenzlauer Berg, das in den vergangenen zehn Jahren mehr Häme über sich hat ausschütten lassen müssen als jeder andere Stadtteil jeder anderen großen Stadt in diesem Land. Ganz zu Recht, wie ich meine.Mehr ...
    Bernhard Strobel: Ein dünner Faden. Erzählungen © Droschl Verlag, Graz, 2015

    Bernhard Strobel
    Ein dünner Faden. Erzählungen

    Was teilt sich mit über unsere Wünsche und Ängste, wenn wir miteinander sprechen? Dass die Triebfedern unseres Handelns oft unausgesprochen bleiben, wissen wir alle und müssen es auch immer wieder erleben. So geht es auch den Figuren in „Ein dünner Faden“. In diesem Band mit Erzählungen richtet der 1982 in Wien geborene Bernhard Strobel seine Aufmerksamkeit auf Menschen in alltäglichen Situationen in einer namentlich nicht näher benannten, ländlichen Gegend. Auf der Handlungsebene ereignet sich nicht viel, das wirklich Wichtige wird nie ausgesprochen. Aber es brodelt bedrohlich unter der Oberfläche.Mehr ...
    Martin Suter: Montecristo © Diogenes Verlag, Zürich, 2015

    Martin Suter
    Montecristo

    Nicht zufällig erinnert Suters Roman denn auch an Dumas' berühmte Geschichte aus dem nachrevolutionären Frankreich um Intrige und Verrat, jedenfalls was das Milieu einer korrupten gesellschaftlichen Kaste angeht. Freilich ist sein Protagonist kein Wiedergänger von Dumas' Held Edmond Dantès. Jonas Brand ist bloß einer, der unverschuldet in ein Netz von Verfilzung und Verbrechen gerät, dessen Ausmaße seinen kleinen Horizont übersteigen.Mehr ...
    Ilija Trojanow: Macht und Widerstand © S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2015

    Ilija Trojanow
    Macht und Widerstand

    Metodi ist ein Vertreter des alten kommunistischen Regimes in Bulgarien. Als Geheimdienstmann hatte er dort jahrzehntelang treue Dienste geleistet und wurde zum Fachmann in Verhörtechnik und Foltermethoden. Seit der Wende verdient er gut als „Biznismann“… (…) Auf der anderen Seite steht Konstantin, ein alter Anarchist, der nach einem Bombenanschlag auf eine Stalin-Statue im Jahr 1953 Gefängnis und Lagerhaft erlitt und anschließend ein Leben als Observierter und Objekt der Staatssicherheit führte. Die beiden kennen sich noch aus der Schule, begegnen sich immer wieder im Lauf der Jahrzehnte, voller Verachtung gegen die Überzeugungen des anderen.Mehr ...
    Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Gedichte © Carl Hanser Verlag, Berlin, 2014

    Jan Wagner
    Regentonnenvariationen. Gedichte

    Die Dichter sind die Schamanen unter den Schriftstellern. Im Gedicht werden die Resonanzen der Worte ausgelotet, ihre Bedeutungen vermessen. Die Lyrik ist eine Orchidee, die umso fremder duftet, je schneller und mehr geschrieben, gedruckt und auf den Markt geworfen wird. So war es schon eine Überraschung, dass Jan Wagner mit einem Lyrikband in die Liste der für den Preis der Leipziger Buchmesse Nominierten aufgenommen wurde. Dass er nun, als einer von fünf in der Kategorie Belletristik, den Preis erhalten hat, ist ein schönes Signal. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung für einen Autor, der sich achtsam und mit Genuss unserer Sprache bemächtigt.Mehr ...
    Anne Weber: Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2015

    Anne Weber
    Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch

    Anne Weber nähert sich Florens Christian Rang in einer Form, die sie zu einer ganz eigenen Gattungsbezeichnung führt: einem „Zeitreisetagebuch“, wie sie das nennt. Denn sie empfindet ihr Vorgehen sehr detailliert als eine Zeitreise, das Geburtsdatum dieses Urgroßvaters liegt hundert Jahre vor ihrem eigenen. (...) So erscheint, in vielen Facetten, das Bild einer deutschen Familie. Der Urgroßvater wird dabei zu einer widersprüchlichen, faszinierenden Figur. Während des Ersten Weltkriegs schlug seine Kriegsbegeisterung um, und er läuterte sich, wie nicht viele Intellektuelle seiner Generation, in der frühen Weimarer Republik zu einem Fragenden, der den Irrweg des deutschen Nationalismus langsam erkannte.Mehr ...
    Michael Wildenhain: Das Lächeln der Alligatoren © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2015

    Michael Wildenhain
    Das Lächeln der Alligatoren

    Michael Wildenhain, der anfangs als Chronist Kreuzbergs galt, dann mehrere Romane in der Gegenwart ansiedelte, führt nun zurück in den Deutschen Herbst, in ein aufgeheiztes Klima der Gewalt und Verdächtigungen. Marta ist nicht mehr die fürsorgliche Pflegerin, sie wohnt in einer Kommune mit Männern, die in Rätseln sprechen, sie verehrt Pasolini, verteilt Flugblätter, hat Zugang zu einer fremden Wohnung, sie wirkt stark und geheimnisvoll.Mehr ...
    Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 © Matthes und Seitz Verlag Berlin, 2015

    Frank Witzel
    Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

    Von einem bestimmten Punkt an kaufte man nicht mehr eine Single, sondern gleich die ganze LP…(…). Der Übergang von der Single zur LP war ein Prozess, doch eines steht fest: Es geht um die zweite Hälfte der Sechzigerjahre, und es geht um die Pubertät. In dieser Zeit wurde die erste deutsche Generation auf ganzer Linie von Pop erfasst. (…) Frank Witzel verlegt seinen neuen Roman programmatisch hierher, als alles auf die Zukunft gerichtet war und alles immer ganz anders wurde.
    Sein Buch (…) ist der erste literarische Text, der es auf ein umfassendes Archiv dieser Generation anlegt. (…)Mehr ...
    Feridun Zaimoglu: Siebentürmeviertel © Kiepenheuer & Witsch Verlag Köln, 2015

    Feridun Zaimoglu
    Siebentürmeviertel

    Feridun Zaimoglu ist ein Phänomen. Nicht nur, dass es ihm gelingt, in all seinen Romanen einen ungebrochen intensiven, glühenden Ton anzuschlagen. In jedem dieser Bücher erfindet er zugleich seine Sprache - und damit nachgerade auch sich selbst - vollkommen neu. Heruntergehungert auf ein notathaftes Korsett waren die Sätze in Zaimoglus letztem Roman Isabel, so abgemagert, widerborstig und verschlossen wie die Protagonistin selbst. Sein jüngster Roman hingegen, der im titelgebenden Siebentürmeviertel während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, scheint gierig all das aufgesogen zu haben, was an anderer Stelle abgeschnitten wurde.Mehr ...