Die Winter im Süden
Carl Hanser Verlag, München, 2008ISBN 978-3-446-23048-4
Mit „Die Winter im Süden“ hat Gstrein bereits den zweiten Roman geschrieben, in dem er eine literarische Auseinandersetzung mit dem Balkankonflikt unternimmt; doch anders als in „Das Handwerk des Tötens“ (2003) geschieht das hier auf technisch weniger verschachtelte, auf wesentlich unmittelbarere Weise. Drei Hauptfiguren hat das Buch, doch nur ein Charakter ist es, der alles an sich reißt. Er bekommt keinen Namen, sondern heißt konsequent nur „Der Alte“, ein kroatischer Fallschirmjäger aus dem Zweiten Weltkrieg, der sich, wie er in Andeutungen selbst immer wieder vermittelt, vor der Rache der Partisanen nach Argentinien geflüchtet und ein neues, großbürgerliches Leben aufgebaut hat. Dieser Alte ist ein Romangestalt gewordenes Klischee, und man kann es sich bei einem klugen Autor wie Gstrein nicht anders denken, als dass er ganz bewusst einen mit Stereotypen beladenen Macho zum Protagonisten gewählt hat, um ihn anschließend nach allen Regeln der Kunst zerbrechen zu lassen. Ein Mann um die Siebzig, der sich, natürlich, Schäferhunde hält und eine blonde junge Frau dazu, der regelmäßig seinen Schießstand im Keller aufsucht und
„dem nichts wichtiger war, als seine tragische Einsamkeit zu kultivieren“.
© Frankfurter Rundschau, 23. August 2008











