Hundenovelle
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 2008ISBN 978-3-627-00149-0
Eigentlich wollte die namenlose Ich-Erzählerin diesen Hund nicht haben, er ist ihr zugelaufen und lässt sich wie in einem Albtraum nicht mehr abschütteln. Das verwahrloste, aber auch seltsam elegante Tier quetscht sich durch den Türspalt in die Wohnung und weicht fortan seiner selbstgewählten Besitzerin nicht mehr von der Seite. Die hatte sich in ihrer Weltabgeschiedenheit schon bestens eingerichtet, eine mitteljunge Frau in einem Wohnblock am Stadtrand, gerade arbeitslos geworden und froh, sich kein Siegerlächeln antrainieren zu müssen. (…) Die Einzelgängerin durchläuft eine irrwitzige Hunde-Metamorphose, an deren Ende sie bußfertig durch Brennnesselfelder robbt und andere Hunde hinterm Supermarkt mit einer Futtertüte anlockt: „Ich lauerte im Gebüsch wie ein Triebverbrecher“. Immer dann, wenn man willig in Schwermut versinkt, springt eine skurrile Szene dazwischen, zieht eine abseitige Anspielung auf neue Seitenpfade. Marion Poschmann beweist dabei ein feines Gespür für seelische Randlagen: Ihre „Hundenovelle“ zählt zum Schönsten, was über die Farbe Schwarz je geschrieben wurde.
© Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2008











