Clemens Meyer

Die Nacht, die Lichter

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2008
ISBN 978-3-10-048601-1

Die große Mehrzahl der insgesamt fünfzehn Stories beeindruckt durch ein ganz ungewöhnliches, weises Einfühlungsvermögen. Die Texte leben von so eleganten sprachlichen Lücken in Kombination mit knappsten Schnitten, dass dieses zweite Buch des 1977 geborenen, also immer noch blutjungen Leipziger Schriftstellers Clemens Meyers unbedingt zu rühmen ist. Seine Helden, wenn man die traurigen Gestalten so nennen will, sind erwachsen geworden – zumindest dem Alter nach, denn dass sie im Leben nicht erwachsen sind, sondern Hasardeure, vom Rausch Erfasste, Flüchtende, von der eigenen Gewalt Überrumpelte, das versteht sich von selbst.

Fast könnte man den Autor verdächtigen, er habe sich mächtig Mühe gegeben, das Spektrum seiner Figuren den politisch gerade brennenden Problemen anzupassen. (...) Her mit den Sozialarbeitern dieser Welt? Nein. Sie wären fehl am Platz. Dies ist keine engagierte Literatur. Meyer arbeitet hart an der Poesie der Abstürzenden. Er, der Gerüchten zum Trotz keineswegs diesem Milieu entstammt, leiht den Desillusionierten sein Herz, indem er ihnen falsche Hoffnungen schenkt und manchmal ein kurzes Glück.

Ina Hartwig: „Mehr so bittersüß”
Frankfurter Rundschau, 10. März 2008
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