Das dunkle Schiff
Verlag Jung und Jung, Salzburg, 2008ISBN 978-3-902497-36-9
Kerim, ein kleiner Junge, steht mit seinem Vater Anfang der achtziger Jahre irgendwo in den irakischen Bergen; von fern sehen sie alte Frauen Kräuter sammeln. Es ist ruhig, und die Landschaft erscheint dem Kind „wie eine geöffnete Hand”. Dann landet ein Helikopter. Soldaten drängen die Frauen zum Einsteigen. Wenig später stürzen diese Frauen in den Tod. Der erwachsene Kerim wird am Ende von Sherko Fatahs neuem Roman in Berlin erstochen. Ein Buch also, ausgespannt zwischen Tod und Tod. Lässt sich das Leben dazwischen verstehen?
Sherko Fatah, 1964 in der DDR geboren, hat eine deutsche Mutter und einen irakischen Vater. Sein neuer Roman, nominiert für den Leipziger Buchpreis, ist ausgesprochen spannend, differenziert und nachdenkenswert: Fatah thematisiert die Verbindung von Gewalt und Glauben nicht nur im Irak, sondern auch im Westen. Sein Buch ist keine Warnung vor „dem” Islam, keine Schwarzweiß-Zeichnung von Tätern hier und Opfern dort – denn Kerim, die Hauptfigur, ist beides, Täter und Opfer.
Frankfurter Rundschau, 25. Februar 2008











