Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich

Am 16. Dezember 2007 erschoss sich in einem kleinen Ostberliner Park der Historiker Karlheinz Schädlich, der ältere Bruder des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich. (...) Als IM Schäfer hatte Karlheinz Schädlich jahrelang seinen Bruder, dessen Familie und viele andere bespitzelt, (...) Er hatte sich nach der Wende in Sicherheit gewiegt, weil ihm das MfS versichert hatte, seine Akte sei geschreddert. Dass sich seine Berichte und die daraus entwickelten Maßnahmen zur Überwachung und „Zersetzung“ der Opfer auch in deren Akten fänden, hatte ihm sein Führungsoffizier nicht verraten. (…) In ihrem zweiten Buch erzählt Susanne Schädlich, die Tochter des Autors Hans Joachim Schädlich und der Lektorin Krista Maria Schädlich, die Geschichte ihres Sykophanten-Onkels, der so gerne eine Art Kim Philby der DDR gewesen wäre, und ihrer eigenen Familie. Hans Joachim Schädlich hatte im November 1976 die Petition zugunsten des ausgebürgerten Wolf Biermann unterschrieben und im August 1977 bei Rowohlt seinen großartigen Erzählungsband „Versuchte Nähe“ veröffentlicht. Danach hatte er im Arbeiter- und Bauernstaat keine Lebensbasis mehr und stellte im Dezember 1977 für sich, seine Frau und seine beiden Töchter einen Ausreiseantrag, der relativ rasch genehmigt wurde.Karl Corino: „Seelenarbeit am Stasi-Onkel“
© Frankfurter Rundschau, 24. Februar 2009
Susanne Schädlich
Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2009
ISBN 978-3-518-41995-3
Immer wieder Dezember. Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2009
ISBN 978-3-518-41995-3










