Barbara Beuys

Sophie Scholl

© Carl Hanser Verlag, München, 2010 Barbara Beuys: Sophie Scholl © Carl Hanser Verlag, München, 2010Von allen hingerichteten Hitler-Gegnern ist es die junge Sophie Scholl, die am heftigsten an unseren Gefühlen rührt und am stärksten zur Identifikation einlädt. (…) Nun hat die bekannte Publizistin Barbara Beuys, die mit einer Reihe bemerkenswerter Lebensbeschreibungen von Frauen, unter anderem der Annette von Droste-Hülshoff, Hildegard von Bingen und Paula Modersohn-Becker, hervorgetreten ist, das gesamte Material ausgewertet. Ihre jetzt erschienene Sophie-Scholl-Biografie ist ein Ereignis: Sie ist nicht nur glänzend geschrieben, sondern öffnet auch neue Zugänge zum Verständnis der Widerstandskämpferin. Manche Züge legendenhafter Verklärung fallen der behutsamen, stets nah an den Quellen argumentierenden Interpretation zum Opfer. (…)
Diese einfühlsame, jede heroisierende Tendenz vermeidende Biografie nimmt Sophie Scholl nichts von ihrer Größe, im Gegenteil: Wir lernen sie hier kennen mit allen, auch den widersprüchlichen Facetten ihrer reichen Persönlichkeit. Eine junge Frau, die gern zeichnete und musizierte, viel las und schrieb, wild tanzte und für jeden Spaß zu haben war, die aber bei aller Empfindsamkeit auch hart und schroff sein konnte, hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Verstand und verzweifelt um die Sicherheit im Glauben ringend. Die mit allen Fasern am Leben hing und doch am Ende bereit war, es für ein besseres Deutschland herzugeben. „Freiheit“ war das letzte Wort, das sie im Gefängnis, den Tod vor Augen, auf die Rückseite ihrer Akte schrieb.

Volker Ulrich: „Vom BDM in den Widerstand“
© Die ZEIT, 11. Februar 2010

Barbara Beuys
Sophie Scholl
Carl Hanser Verlag, München, 2010
ISBN 978-3-446-23505-2
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