Ulrich Raulff

Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben

© C. H. Beck Verlag, München, 2009 Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben © C. H. Beck Verlag, München, 2009Wirken und Wirkung Stefan Georges sind im Jahr 2007 mit der großen Biografie von Thomas Karlauf für unsere Zeit neu entdeckt worden. Nun hat Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, erneut eine ambitionierte George-Expedition unternommen: Was geschah mit dem „Staat", wie seine Angehörigen den George-Kreis nannten, nachdem „d M" (der Meister) am 4. Dezember 1933 im italienischen Minusio gestorben war? (…) Solche Fragen mögen zunächst einmal esoterisch wirken, interessant allenfalls für ein paar Eingeweihte und Spezialisten. Doch Raulffs Buch ist ein klug komponierter kulturgeschichtlicher Thriller, der mitten hinein in die Herzkammern der deutschen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts führt. Karl Löwith hatte das bereits früh gesehen: „In den Schicksalen des Kreises um George spiegelt sich ein allgemeines Schicksal der deutschen wie der jüdischen Intelligenz." Wie allmählich sich auflösende Netzwerke Traditionen transportieren und transformieren, wie vormals gefährliche Ideen sich allmählich liberalisieren und entschärfen, wie unterschwellige Kontinuitäten weit mehr als scheinbare Umbrüche die jeweilige Lage bestimmen: All das kann man hier erfahren. Zugleich inszeniert Raulff die innerfamiliären Konflikte in einem amüsanten Panoptikum, nach Art eines intellektuellen Denver Clan: Intrigen, Affären und Treue, Verrat und Versöhnung wechseln sich in schnellen Schnitten ab.

Alexander Cammann: „Meister des Meisters“
© Die ZEIT, 8. Oktober 2009

Ulrich Raulff
Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben
C. H. Beck Verlag, München, 2009
ISBN 978-3-406-59225-6
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