Claus Leggewie

Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt

© C.H. Beck  Verlag, München, 2011 Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt © C.H. Beck Verlag, München, 2011Europa wird keine Zukunft haben, wenn es nicht angemessen mit der Vergangenheit umgeht: Diese These des Politologen Claus Leggewie ist nicht neu; Historiker wie Jacques Le Goff weisen seit Langem auf die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur hin, und in historischen Fakultäten ist die transnationale Geschichtsschreibung so selbstverständlich wie eine Muslimin in München. Dennoch ist das von Leggewie mit Anne Lang verfasste Buch Der Kampf um die europäische Erinnerung von kaum zu überbietender Aktualität und Bedeutung: Die Autoren übernehmen es, den schwammigen Begriff der „euro-
päischen Erinnerung“, der bislang zum Spezialdiskurs oder zur bildungsbürgerlichen Sonntagsrede einlud, in ein radikal reduziertes und vermittelbares Konzept zu überführen. (…) Anhand exemplarischer Geschichtsreportagen zeigen die Autoren, wie aus dem in der Zivilgesellschaft geführten und institutionalisierten Streit über die Vergangenheitskomplexe eine besondere politische Identität erwächst: eine Identität, die sich über eine im doppelten Wortsinn geteilte Erinnerung legitimiert. Erst eine solche offene und stets variable Identität lasse Europa nach innen und außen solidarisch und integrativ handlungsfähig werden. Dies nun ist eine Europa-Utopie, die dasselbe Schicksal verdient hat wie die europäische Erinnerung: nämlich diskutiert und geteilt zu werden.

Maximilian Probst: „Geteilte Erinnerung“
© Die ZEIT, 17. März 2011

Claus Leggewie
Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt
C.H. Beck Verlag, München, 2011
ISBN 978-3-406-60584-0
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