Sachbücher – Gesellschaft, Biografien, Literatur- und Kulturgeschichte

Carolin Emcke
Gegen den Hass

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016 Carolin Emcke: Gegen den Hass © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016Emcke nimmt den „institutionellen Rassismus“ in den Vereinigten Staaten ebenso in den Blick wie die Ideologie und Strategie der Terrororganisation namens „Islamischer Staat“, doch fokussiert sie insbesondere und immer wieder auf deutsche Zustände. Das Deutschland, das sich im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise spürbar verändert habe, ist ihr Ausgangspunkt: Es werde dort in einem vor kurzem noch unvorstellbaren Maße „offen und hemmungslos gehasst“, es werde „gebrüllt, beleidigt und verletzt“ – vor Flüchtlingsheimen, in Internetforen, auf öffentlichen Plätzen und anderswo. (…)
Im Klima des Fanatismus spielten auch die klammheimlichen Claqueure eine Rolle, die der hetzenden Meute insgeheim applaudierenden Zuschauer. Es seien jene, die hassen lassen, wie Emcke treffsicher schreibt. Auch und gerade ihnen müsse ihre Selbstgewissheit nehmen, wer etwas gegen den Hass tun wolle. Wie dem Hass zu begegnen sei? Zunächst einmal dadurch, so Emckes Antwort, dass „man seine Einladung, sich ihm anzuverwandeln, ausschlägt“. Gegen Hass, heisst dies, hilft kein Hass. Es ist indes auch nicht handkehrum Liebe vonnöten. Das, was die neue Friedenspreisträgerin zu tun vorschlägt – es mutet, wie sie befürchtet, bescheiden an –, könnte aber immerhin als eine ebenso pragmatische wie elementare Variante der Nächstenliebe begriffen werden. Es ist das, was dem Hassenden abgehe: „genaues Beobachten, nicht nachlassendes Differenzieren und Selbstzweifel“.

Uwe Justus Wenzel: „Eine Art Nächstenliebe“
© Neue Zürcher Zeitung, 22. Oktober 2016

Carolin Emcke
Gegen den Hass
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016
ISBN 978-3-10-397231-3
240 Seiten


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