Sachbücher – Gesellschaft, Biografien, Literatur- und Kulturgeschichte

Oliver Hilmes
Berlin 1936. Sechzehn Tage im August

© Siedler Verlag, München, 2016 Oliver Hilmes: Berlin 1936. Sechzehn Tage im August © Siedler Verlag, München, 2016Zur Kussattacke kommt es am vorletzten Tag der Olympischen Spiele, bei den Schwimmwettkämpfen. Hitler sitzt auf dem Ehrenplatz, als sich die amerikanische Touristin Carla de Vries zu seiner Sitzreihe hochkämpft. (…) Die in einem historischen Filmschnipsel dokumentierte Kussattacke hat der Historiker und Schriftsteller Oliver Hilmes ausgegraben und mit vielen anderen Puzzleteilen zu einem beeindruckenden Panorama dieser sechzehn Tage im August 1936 zusammengetragen, in denen sich Deutschland als glänzender Gastgeber der Nationen der Welt darstellen will. Ein dichter Strom unterschiedlichster Menschen zieht am Leser vorbei, kanalisiert durch strikte literarische Ordnung. (…) Eine zentrale Rolle spielt der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe, ein ausgesprochener Berlinfan, der auf Einladung des Verlegers Ernst Rowohlt die Spiele besucht, und nun das macht, was er immer in Berlin macht: er zieht um die Häuser, von Bar zu Bar, von Kneipe zu Kneipe. Wolfe ist der einzige, der, so sehr es ihm auch widerstrebt, ahnt, dass mit seinem Sehnsuchtsland etwas nicht stimmt, dass „eine Seuche des Geistes“ die Stadt befallen hat. Dabei tut das Regime alles, um für sechzehn Tage den Rassismus zu verbergen, der ihm als Treibstoff innewohnt. (…)
Deutschland frisst Kreide, um sich und der Welt ein olympisches Sommermärchen vorzugaukeln, während im Geheimen die ersten Pläne zum Kriegsbeginn gefasst werden und unweit der Berliner Stadtgrenze in Sachsenhausen am KZ gebaut wird.

Harald Jähner: „Nazideutschland fraß Kreide“
© Frankfurter Rundschau, 27. Juli 2016

Oliver Hilmes
Berlin 1936. Sechzehn Tage im August
Siedler Verlag, München, 2016
ISBN 978-3-82750-059-5
304 Seiten


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