Sachbücher – Gesellschaft, Biografien, Literatur- und Kulturgeschichte

Michael Angele: Der letzte Zeitungsleser © Galiani Verlag, Berlin, 2016

Michael Angele
Der letzte Zeitungsleser

Angele (…) betrachtet die Zeitungswelt aus dem Blickwinkel des Gegenübers – als passionierter Zeitungsleser, für den das tägliche Studieren des Blattes, oder gar diverser Blätter, mehr als bloßes Informationsupdate ist, das auch am Computer oder Tablet stattfinden könnte. Es ist vielmehr ein kulturelles Ritual: jeden Tag die gedruckte Zeitung im selben Café, am selben Frühstückstisch oder in derselben Bahn zu lesen, sich an ihrer Haptik, an ihrem Geruch zu freuen, an ihrem Rascheln. (…) Als roter Faden zieht sich ein anekdotenhaftes Porträt Thomas Bernhards durch den Text.Mehr ...
Christoph Bartmann: Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal © Carl Hanser Verlag, München, 2016

Christoph Bartmann
Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal

Mit der Fülle der käuflichen Dienste sind nach dem Krieg Geborene oft überfordert, galten Dienstboten doch in den goldenen Jahren der Bundesrepublik als Sozialfiguren der Vergangenheit. Ihre Existenz war schwer zu vereinbaren mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit, sozialem Aufstieg, Emanzipation und Gleichberechtigung. Aber Serviceangst lässt sich überwinden, Kunde sein lernen. Das Serviceangebot in den besseren Wohngegenden Manhattans sorgt dennoch für kulturelle Irritation. Christoph Bartmann hat ihr einen Essay abgewonnen, den lesen sollte, wer sich für den Lebensstil der mittleren Schichten interessiert und nicht glaubt, dass die sozialen Fragen der Gegenwart mit Armutsstatistiken ausreichend beschrieben sind.Mehr ...
Wolf Biermann: Warte nicht auf bessere Zeiten. Die Autobiographie © Propyläen Verlag, Berlin, 2016

Wolf Biermann
Warte nicht auf bessere Zeiten. Die Autobiographie

Wolf Biermann, der bald achtzig Jahre alt wird, hat zeit seines Lebens das Rampenlicht gesucht – und es noch gefunden, als man es ihm abdrehte. In nicht zu zählenden Stellungnahmen, Einwürfen, Aufsätzen und Interviews hat er bereitwillig und umfassend Auskunft gegeben über jede Facette seines Werdegangs. Es ist überdies klar, dass er nur noch zur einen Hälfte Mensch ist, zur anderen bereits ein Mythos. Er ist der Dichter, der mit seinen Liedern und seiner Unbeugsamkeit einen ganzen Staat, die DDR, wenn nicht zu Fall, so doch erheblich ins Wanken brachte.Mehr ...
Heinz Bude: Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen © Carl Hanser Verlag, München, 2016

Heinz Bude
Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen

„Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig“ - diesem Befund Kurt Tucholskys könnte der Kasseler Soziologe Heinz Bude bestimmt zustimmen. Schließlich dreht er in seinem neuen Buch, das mit 120 Seiten reiner Textlänge (ohne Fußnoten) recht handlich daherkommt, selbst die Schraube eine Umdrehung weiter. (…) Dazu wird zunächst eine Unterscheidung getroffen: Der Autor unterscheidet den „Antikapitalisten“ vom „Systemfatalisten“. Der Erste ist Teil der „Misstrauensgesellschaft“, kann sich weder zur Weltverneinung noch zu Weltbejahung entschließen, lehnt die Ökonomisierung ab, fühlt sich heimatlos und ist gern universell empört.Mehr ...
Ernestine Amy Buller: Finsternis in Deutschland. Was die Deutschen dachten. Interviews einer Engländerin 1934-1938 © Elisabeth Sandmann Verlag, München, 2016

Ernestine Amy Buller
Finsternis in Deutschland. Was die Deutschen dachten.
Interviews einer Engländerin 1934-1938

In den Jahren vor dem Kriegsausbruch 1939 hatte Amy Buller als Organisatorin von deutsch-britischen Studientagungen auf ein tieferes Verständnis zwischen den Ländern hingewirkt, in der Hoffnung, dass der Krieg noch zu vermeiden sei. Ihr Buch schrieb sie mit Blick auf eine Zukunft, in der sich die Finsternis gelichtet haben würde. (…) Aus heutiger Sicht liegt der Wert des Buches weder in den christlich geprägten Zukunftshoffnungen der Autorin noch in der Beurteilung Hitlers und seiner Bewegung, sondern in den authentischen Stimmen, die Amy Buller zu Wort kommen lässt. (…)Mehr ...
Birgit Dankert: Michael Ende. Gefangen in Phantasien © Lambert Schneider Verlag, Darmstadt, 2016

Birgit Dankert
Michael Ende. Gefangen in Phantasien

Wer war Michael Ende? (...) Bisher liegt zu Endes Leben nur die Biographie vor, die ein Schulfreund verfasst hat, Peter Boccarius, und die noch dazu in dem Jahr aufhört, in dem Endes Erfolg beginnt: 1960. (Birgit) Dankert kann ihr Buch auf gründliche Recherchen stützen, die sie etwa zu Manuskripten und Briefen im Deutschen Literaturarchiv Marbach führten, zum Nachlass in der Internationalen Jugendbibliothek in München, in die Archive des Bayerischen Rundfunks und, nicht zuletzt, zu zahlreichen Weggefährten Endes... (...) Die wenigsten Schriftsteller ähneln den Figuren, die sie erfunden haben. Im Fall von Michael Ende ist der Unterschied dennoch überraschend.Mehr ...
Carolin Emcke: Gegen den Hass © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016

Carolin Emcke
Gegen den Hass

Emcke nimmt den „institutionellen Rassismus“ in den Vereinigten Staaten ebenso in den Blick wie die Ideologie und Strategie der Terrororganisation namens „Islamischer Staat“, doch fokussiert sie insbesondere und immer wieder auf deutsche Zustände. Das Deutschland, das sich im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise spürbar verändert habe, ist ihr Ausgangspunkt: Es werde dort in einem vor kurzem noch unvorstellbaren Maße „offen und hemmungslos gehasst“, es werde „gebrüllt, beleidigt und verletzt“ – vor Flüchtlingsheimen, in Internetforen, auf öffentlichen Plätzen und anderswo. (…)Mehr ...
Karl Hepfer: Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft © Transcript Verlag, Bielefeld

Karl Hepfer
Verschwörungstheorien.
Eine philosophische Kritik der Unvernunft

Ungeachtet der mit ihnen einhergehenden kognitiven Zumutungen erfreuen sich Verschwörungstheorien seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit. Ohne den Siegeszug des Internets wäre dieser Aufschwung unmöglich gewesen. Musste der einzelne Verschwörungstheoretiker früher den Preis weitgehender sozialer Isoliertheit zahlen, bedarf es heute nur weniger Klicks, um auch für die abstrusesten Überzeugungen eine beträchtliche Zahl Gleichgesinnter zu finden. Mit dieser Erklärung möchte Hepfer sich jedoch nicht begnügen.Mehr ...
Oliver Hilmes: Berlin 1936. Sechzehn Tage im August © Siedler Verlag, München, 2016

Oliver Hilmes
Berlin 1936. Sechzehn Tage im August

Zur Kussattacke kommt es am vorletzten Tag der Olympischen Spiele, bei den Schwimmwettkämpfen. Hitler sitzt auf dem Ehrenplatz, als sich die amerikanische Touristin Carla de Vries zu seiner Sitzreihe hochkämpft. (…) Die in einem historischen Filmschnipsel dokumentierte Kussattacke hat der Historiker und Schriftsteller Oliver Hilmes ausgegraben und mit vielen anderen Puzzleteilen zu einem beeindruckenden Panorama dieser sechzehn Tage im August 1936 zusammengetragen, in denen sich Deutschland als glänzender Gastgeber der Nationen der Welt darstellen will. Ein dichter Strom unterschiedlichster Menschen zieht am Leser vorbei, kanalisiert durch strikte literarische Ordnung. (…)Mehr ...
Yvonne Hofstetter: Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt © C. Bertelsmann Verlag, München, 2016

Yvonne Hofstetter
Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt

Würde man den Vordenkern von Silicon Valley sagen, ihre Technologie sei unmenschlich, würden sie dem wahrscheinlich sogar zustimmen. Sie würden es aber nicht als Werturteil betrachten. Der Mensch, schreibt Yvonne Hofstetter in ihrem Buch „Das Ende der Demokratie“, gilt im Valley als ultimative Maschine, mittelfristig aber als Auslaufmodell: ein Ding unter Dingen im Internet of Everything.
Silicon Valley ist hier zwar nur Chiffre für einen weltweiten Prozess. Trotzdem ist die Metapher keine zufällige Wahl. Bei Hofstetter ist es ein spezifisch amerikanisches Denken, das den Sargnagel in die Demokratie schlägt.Mehr ...
Nina Horaczek / Sebastian Wiese: Gegen Vorurteile. Wie du dich mit guten Argumenten gegen dumme Behauptungen wehrst © Czernin Verlag, Wien, 2015

Nina Horaczek / Sebastian Wiese
Gegen Vorurteile. Wie du dich mit guten Argumenten
gegen dumme Behauptungen wehrst

Die Welt ist in Aufruhr und im Umbruch, und was schon für Erwachsene, für erfahrene Politikbeobachter oft schwer zu verstehen ist, muss für Jugendliche oft unerträglich verwirrend sein. Wer wenig weiß und wenig versteht, ist aber bekanntlich schnell mit Vorurteilen bei der Hand: Sie machen das Leben übersichtlicher und die Einordnung beängstigender Entwicklungen leichter. Und genau das ist gefährlich. Deshalb haben die Journalistin Nina Horaczek, die für den Falter schreibt, und der Jurist Sebastian Wiese ein ganz hervorragendes Buch über Vorurteile geschrieben, in dem es überwiegend, aber nicht nur, um den Islam, um Migranten und Flüchtlinge, um Kopftücher und Moscheen geht.Mehr ...
Navid Kermani: Einbruch der Wirklichkeit. Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa © C. H. Beck Verlag, München, 2016

Navid Kermani
Einbruch der Wirklichkeit.
Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa

Nein, ein „Klugscheißer“ will Navid Kermani nicht sein, keiner von den Leuten, die 15 Jahre nichts zur Flüchtlingsthematik gesagt hätten und jetzt mit „irgendwelchem besserwisserischen Zeug“ daherkämen. (...) Dem 48-Jährigen lassen die Themen Migration und Flucht mit ihren ganz und gar nicht temperierten Grausamkeiten seit mehr als einem Jahrzehnt keine Ruhe. So hat er sich an den stacheldrahtbewehrten Zäunen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Marokko herumgetrieben... (...) Ende September 2015 hat Kermani sich wieder auf den Weg gemacht. Seine Rede zur Verleihung des Friedenspreises am 18. Oktober sei fertig gewesen, erzählt er.Mehr ...
Niklas Luhmann: Der neue Chef © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016

Niklas Luhmann
Der neue Chef

Hier und da trifft man ihn sicher noch an, den Chef, der seine Untergebenen, gerne Mitarbeiter genannt, zurechtstutzt oder auch mal anbrüllt, um seine Autorität zu markieren und seine Unsicherheiten zu überspielen. Meist wird der Chef oder die Chefin aber wissen, dass solche Methoden, Stoff unzähliger Witze, Karikaturen und Feierabendgespräche, eigentlich gar nicht so schlau sind. Dies aber ist keine neue Erkenntnis jüngster Managementtheorien, welche von flacher Hierarchie, Kreativität und Teamarbeit künden. Vielmehr hat es vor Jahrzehnten schon der Verwaltungswissenschaftler und angehende Jahrhundert-Soziologe Niklas Luhmann (1927-1998) ganz kühl notiert.Mehr ...
Jörg Magenau: Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47 © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2016

Jörg Magenau
Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47

Die Idee, Princeton, diesen „verrücktesten Moment in der deutschen Literaturgeschichte seit 1945“ (F. C. Delius), als Schlüsselspiel der Gruppe 47 zu lesen, ist nicht neu. Ganze Germanistenbibliotheken wurden mit ihr vollgeschrieben. Und doch erhält die Partie in Princeton erst mit dem Büchlein von Magenau ihr eigenes, würdiges Stadionmagazin.

(…) Dass Magenau die drei Tage Princeton komplett „relive“ dokumentiert, stellt er nicht unklug aus, etwa, wenn er Richters Diktum zu Handke (in zwei Jahren vergessen) aufspießt.Mehr ...
Martin Mittelmeier: DADA. Eine Jahrhundertgeschichte © Siedler Verlag, München, 2016

Martin Mittelmeier
DADA. Eine Jahrhundertgeschichte

1918 trug Richard Huelsenbeck das „Dadaistische Manifest“ in Berlin vor, unterzeichnet wurde es von dem Rumänen Tristan Tzara, George Grosz, Franz Jung, Raoul Hausmann, Hans Arp und dessen Frau Sophie Taeuber. Aber schon vorher hatte Hugo Ball in Zürich am „Ersten Dada-Abend“ ein „Eröffnungs-Manifest“ verlesen: „Wie erlangt man die ewige Seligkeit? Indem man Dada sagt. Wie wird man berühmt? Indem man Dada sagt. Mit edlem Gestus und mit feinem Anstand. Bis zum Irrsinn, bis zur Bewusstlosigkeit. Wie kann man alles Aalige und Journalige, alles Nette und Adrette, alles Vermoralisierte, Vertierte, Gezierte abtun?Mehr ...
Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016

Jan-Werner Müller
Was ist Populismus?

Nicht nur in den meisten europäischen Staaten, sondern weltweit befinden sich Populisten und populistische Parteien auf dem Vormarsch. In einigen Staaten Südamerikas und Osteuropas stellen Populisten die Regierung; in den Vereinigten Staaten kämpft Donald Trump um die Präsidentschaft, und in Deutschland agitiert die rechtsextreme AfD. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf: Wann sind Politiker Populisten? Wie wirkt sich ihr Handeln auf demokratische Gesellschaften aus? Wie soll man mit Populisten „auf demokratische Weise“ umgehen? Auf diese drei Fragen versucht Jan-Werner Müller in einem pointiert und flüssig geschriebenen Essay Antworten zu geben. (…)Mehr ...
Herfried Münkler, Marina Münkler: Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2016

Herfried Münkler, Marina Münkler
Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft

„Die neuen Deutschen“ ist nicht das Buch zum Katastrophenfilm der Krise. Vielmehr setzt es da an, wo der Flüchtlingsstrom endet und die eigentliche Herausforderung beginnt: nach dem Ankommen und der Aufnahme, also bei der Integration. Der Titel ist geschickt gewählt, weist er doch darauf hin, dass erfolgreiche Integration nicht nur die Neuankommenden, sondern auch die Alteingesessenen und damit die Identität einer ganzen Gesellschaft verändert. Die Integrationsbereitschaft der einen bedarf der Akzeptanz der anderen. Neben der staatlichen und der wirtschaftlichen ist die zivilgesellschaftliche Ebene von entscheidender Bedeutung für das Gelingen von Integration.Mehr ...
Claus Offe: Europa in der Falle © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016

Claus Offe
Europa in der Falle

Europa in der Falle heißt das neue Buch des Politikwissenschaftlers Claus Offe, und der Titel trifft den Nagel auf den Kopf. Mit der Einführung des Euro hat sich die Europäische Union in eine schwierige Lage manövriert, es geht nicht vor und nicht zurück. Nun spaltet sich die Euro-Zone in Gewinner und Verlierer. Der Norden, vorneweg Deutschland, lebt auf dem Sonnendeck und profitiert vom Euro, während die geldpolitisch entmachteten „Südländer“ kein Land sehen und rebellisch werden. (…) Das Ergebnis lässt sich überall besichtigen. Im Kielwasser der Dauerkrise „beschwören und restaurieren“ rechte Parteien „die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Schutzfunktionen territorialer Grenzen“.Mehr ...
Bruno Preisendörfer: Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit © Galiani Verlag, Berlin, 2016

Bruno Preisendörfer
Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit

Die Deutschen: wüste Fresser und Säufer, verwöhnt und zur Verschwendung neigend. „Dass unser deutsches Volk ein grobes, ja wildes Volk ist, ja es schier halb Teufel halb Menschen sind“, das war der Eindruck Luthers, der doch selbst grob, ja wild werden konnte, hier sprach ein Kenner. Aber natürlich auch ein Prediger, der seinem Publikum einheizen musste; ganz eindeutig ist es nicht, wie es mit dem Benehmen der Deutschen stand vor gut 500 Jahren. Dies ist eine der vielen Fragen, die sich Bruno Preisendörfer vorgenommen hat in seinem Buch „Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit“, das auf seine Weise auch wild ist. Nicht, weil der Autor grob wäre, das ist er keinesfalls.Mehr ...
Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther. Die Biografie © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2016

Lyndal Roper
Der Mensch Martin Luther. Die Biografie

„Luthers außerordentliche Freimütigkeit, seine aufrichtige Bereitschaft, alles zu riskieren, und seine Fähigkeit, Gottes Gnade als ein Geschenk anzunehmen, das er nicht verdiente, sind die anziehendsten Merkmale seiner Persönlichkeit“, schreibt Lyndal Roper am Ende ihrer großartigen Luther-Biografie. Die australische Historikerin, die in Oxford die Geschichte der Frühen Neuzeit lehrt, legte schon im Jahr 2012 eine kleine, aber sehr bemerkenswerte Luther-Betrachtung vor. (…)Mehr ...
Wolfram Siemann: Metternich. Stratege und Visionär © C. H. Beck Verlag, München, 2016

Wolfram Siemann
Metternich. Stratege und Visionär

Ein Unzeitgemäßer zu sein, zudem ein Unverstandener: dieses Gefühl kannte der meistgehasste Politiker seiner Zeit nur zu gut. Metternich: Das klingt bis heute nach Zensur und Überwachung, Geheimpolizei, europaweiter Unterdrückung von Freiheit und nationaler Selbstbestimmung, nach dem österreichischen Reaktionär, der das morsche Gebäude des Habsburgerreichs um jeden Preis vor dem wohlverdienten Untergang bewahrte. Metternich ist der bad guy der deutschen Geschichtsschreibung geblieben, in jedem Schulbuch als Finsterling präsent. (...) Doch Metternich war ganz anders, als wir bisher dachten. So behauptet es jetzt überzeugend eine bahnbrechende Biografie des emeritierten Münchner Historikers Wolfram Siemann – die erste bedeutende seit neunzig Jahren.Mehr ...
Margarete Stokowski: Untenrum frei © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016

Margarete Stokowski
Untenrum frei

Wie ein Mädchen quasi nebenbei lernt, dass sein Körper per se unzulänglich ist und der Bearbeitung und Verbesserung bedarf, beschreibt die als Kolumnistin von „taz“ und „Spiegel Online“ bekannt gewordene Autorin auf unaufgeregte und prägnante Weise. Dabei geht es ihr selbstredend nicht darum, Schminke, High Heels oder rasierte Achseln zu verdammen. Vielmehr interessiert sie sich für die Frage, wo die Grenze zwischen eigenen Schönheitsvorstellungen und verinnerlichten gesellschaftlichen Zwängen verläuft. „Alles ist schöner, wenn es freiwillig ist und bewusst selber gewählt, und dazu muss man die Alternativen zumindest kennen“, schreibt Stokowski.Mehr ...
Eberhard Straub: Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen © Nicolai Verlag, Berlin, 2015

Eberhard Straub
Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen

Kommentare zur Situation der Zeit halten sich besser an die großen Begriffe von Geschichte, Staat, Nation oder Globalisierung. Bemerkungen zum Schicksal der Städte gehören eher in die intellektuelle Regionalliga und in planungssoziologische Fachseminare. Nun hat der Historiker und Privatgelehrte Eberhard Straub mit seiner Streitschrift „Das Drama der Stadt“ das Nachdenken über das urbane Zusammenleben wieder auf das Niveau großer Geschichtserzählungen gebracht. (...) Städtische Tugenden entstanden nicht aus dem kleinlichen Interessenkampf einer Minderheit fremdenfeindlicher athenischer Großgrundbesitzer, sondern aus der Vermischung von Zuwanderern – ohne Zwang zu Integration und Assimilierung.Mehr ...
Nikolaus Wachsmann: KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager © Siedler Verlag, München, 2016

Nikolaus Wachsmann
KL. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager

(...) eine Gesamtgeschichte der SS-Konzentrationslager aus einem Guss gab es bisher nicht. Der 1971 in München geborene, in Großbritannien ausgebildete und heute an der University of London lehrende Nikolaus Wachsmann hat diese Leerstelle erkannt und sich an die Arbeit gemacht. Das Resultat ist ein Buch, das das bedrückende und schwierige Thema in einer bisher nicht dagewesenen Perspektivenvielfalt erschließt.Mehr ...