Sachbücher zu Philosophie, Gesellschaft, Literatur- und Kulturgeschichte

Götz Aly: Europa gegen die Juden. 1880-1945 © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017

Götz Aly
Europa gegen die Juden. 1880-1945

Der säkulare Antisemitismus hatte, wenn man Götz Alys panoramahafter Studie über die Judenfeindschaft in Europa nach 1880 folgt, andere, tiefere Motive. Der wachsende Hass auf die jüdischen Minderheiten war ein Effekt der nationalistischen Bewegungen, die auf den Trümmern der zusammenbrechenden multiethnischen Großreiche Russland, osmanisches Reich und K.-u.-k-Dynastie wuchsen. In den neuen, jungen Staaten, von Griechenland bis Ungarn und Polen, machte sich im frühen 20. Jahrhundert ein aggressiver Nationalismus breit, der alles, was anders war, diskriminierte und unterdrückte.Mehr ...
Ulrich Beck: Die Metamorphose der Welt © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016

Ulrich Beck
Die Metamorphose der Welt

Als der Münchner Soziologe Ulrich Beck im Januar 2015 unerwartet starb, arbeitete er gerade an einem Buch zur Frage, wie der Klimawandel unseren Blick auf die Welt verändert. Nach Becks Tod vollendete seine Frau Elisabeth Beck-Gernsheim das Buch gemeinsam mit wissenschaftlichen Weggefährten des Autors. ( …) Gleichwohl ist das Resultat in Stil und Inhalt unverkennbar ein echter Beck: mit der für ihn typischen Lust zur starken These, zur Begriffserfindung, zur farbenfrohen Metaphorik. (…) Die traurigen Umstände der Veröffentlichung legen nahe, „Die Metamorphose der Welt“ als intellektuelles Vermächtnis aufzufassen: als letzte große Zeitdiagnose des wohl einflussreichsten deutschen Zeitdiagnostikers.Mehr ...
Karl Heinz Bohrer: Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017

Karl Heinz Bohrer
Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie

Am Anfang ist Jürgen Habermas. Das ist der erste Name, der in diesem erstaunlichen Buch auftaucht; viele andere werden auf den folgenden 540 Seiten erscheinen. Ein 34-jähriger Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besucht den ihm persönlich unbekannten 37-jährigen Professor für Philosophie, um sich im Gespräch auf eine Reportage über die rebellischen Studenten in West-Berlin vorzubereiten. Das geschieht 1967, da ist die Bundesrepublik gerade einmal 18 Jahre alt und Habermas bereits der neue Star unter Deutschlands Intellektuellen. Karl Heinz Bohrer, so heißt der Redakteur, erlebt nun erstmals die „unerwartete, quecksilbrige Spontaneität“ des Denkers und ist nachhaltig beeindruckt.Mehr ...
Otfried Höffe: Geschichte des politischen Denkens. Zwölf Porträts und acht Miniaturen © C. H. Beck Verlag, München, 2016

Otfried Höffe
Geschichte des politischen Denkens. Zwölf Porträts und acht Miniaturen

Worum es geht, ist vielleicht am besten zu begreifen, wenn man sich vor Augen hält, dass der Autor selbst einer der maßgebenden politischen Philosophen der Gegenwart ist. Seine – gelegentlich unterschätzte – Bedeutung besteht in der Leistung, aus souveräner Kenntnis der abendländischen Tradition, Schritt für Schritt, sowohl eine politische Anthropologie wie eine philosophisch anspruchsvolle Rechtslehre und, darauf aufbauend, eine umfassende, prinzipientheoretisch fundierte, normative Philosophie der Politik vorgelegt zu haben – eine Philosophie, das muss betont werden, die ein zeitadäquates Leitbild für die Politik der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts zu formulieren vermag.Mehr ...
Peter von Matt: Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur © Carl Hanser Verlag, München, 2017

Peter von Matt
Sieben Küsse. Glück und Unglück in der Literatur

Wenn es in der Literatur so etwas wie das absolute Musikgehör gäbe: Peter von Matt müsste es besitzen. (…) Nun hat Peter von Matt ein neues Buch geschrieben. „Sieben Küsse“ heißt es. Das klingt nach einem Märchen und ist auch märchenhaft. Von sieben Küssen handeln ebenso viele Kapitel in von Matts Buch. Aber natürlich holt der emeritierte Professor der Universität Zürich weit aus und entwirft vor den Augen und glühenden Ohren des Lesers ein gewaltiges motivgeschichtliches Panorama vom Küssen in der Weltliteratur. (…)Mehr ...
Joachim Radkau: Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute © Carl Hanser Verlag, München, 2017

Joachim Radkau
Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen
in Deutschland von 1945 bis heute

Der Horizont verdunkelt sich, die Zukunft wirkt erschöpft. Sie erscheint un­be­rechen­bar. Selbst die Bundesbürger, so ermittelten es die Demoskopen, blicken dem Jahr mit gedämpfter Hoffnung entgegen. Und dennoch ist die Rolle der Zukunft auch in Zeiten politischer Erdbeben und Hoffnungseinbrüche mehrfach besetzt. (…) Die Zu­kunft, von der Radkau erzählt, liegt in der jüngsten Vergangenheit: Er hat aus den abgelegensten Quellen zusammengetragen, welche Prognosen, Visionen und Ir­rungen in Deutschland seit dem Kriegsende 1945 die Zukunftserwartungen be­stimmt haben.Mehr ...
Heinz Schilling: 1517. Weltgeschichte eines Jahres © C. H. Beck Verlag, München, 2017

Heinz Schilling
1517. Weltgeschichte eines Jahres

1517, das war weit mehr als jener Martin Luther, der da im aufstrebenden Pro­vinz­nest Wittenberg, „an den Grenzen der Zivilisation“, wie er selbst schrieb, seine 95 Thesen publizierte und damit letztlich seine eigene Kirche spaltete. 1517, das war eine atemberaubend vielschichtige Zeit voller Widersprüche, geprägt zum einen von Aufbrüchen, zum anderen von Ängsten. (…) Das waren raue, harte, brutale, gefährliche Zeiten mit einer Lebenserwartung von gerade mal gut 30 Jahren. Seuchen, Naturkatastrophen, die Abhängigkeit von guter Ernte, all das bedrohte die Menschen, die zudem eine buchstäblich höllische Angst vor dem Teufel hatten - ob Bauern, Mönche wie Luther, Patrizier oder Regenten.Mehr ...
Daniel Schreiber: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen © Hanser Berlin Verlag, Berlin, 2017

Daniel Schreiber
Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen

„Zuhause“ ist eine elegant geschriebene, anregende Meditation über einen schwierigen Begriff in einer für viele Menschen immer unheimlicher werdenden Welt. Und zugleich die Rekonstruktion von Schreibers eigener Suche nach einem Ort, der für ihn so etwas wie Stabilität und Bindung bedeuten könnte. Heute, in Zeiten von Globalisierung und Flüchtlingskrise, leben 250 Millionen Menschen in einem Land, in dem sie nicht geboren wurden, erinnert der Autor. Daher werde Zuhause immer mehr zu einem „imaginären Ort“, „gleichermaßen ein realer wie ein innerer, spiritueller oder sozialer Ort“. Entsprechend vielfältig sind die Fragen, die sein Essay aufwirft: Kann eine fremde Sprache ein Zuhause bieten?Mehr ...
Jörg Später: Siegfried Kracauer. Eine Biographie © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016

Jörg Später
Siegfried Kracauer. Eine Biographie

Kracauer war Physiognomiker, ein Experte für Bilder und jene „O­ber­flä­chen­er­scheinungen“, die er seinen Lesern mit dem Rüstzeug einer phä­no­meno­lo­gisch inspirierten Kulturphilosophie erschloss. Die Wahrheit, nach der Kracauers Texte suchen, liegt offen zutage; man muss sie allerdings sehen wollen und, sofern man denn Philosoph ist, auch sagen können, was man sieht.
Kracauer, der es auf diesem Gebiet zu einiger Könnerschaft brachte, war Autodidakt. Obwohl als junger Mann regelmäßiger Gast in den Berliner Vorlesungen Georg Simmels, obwohl jahrzehntelang Korrespondenzpartner Theodor W. Adornos und Walter Benjamins, war er kein Philosoph im akademischen Sinn des Wortes.Mehr ...
Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia. Die Kaiserin ihrer Zeit © C. H. Beck Verlag, München, 2017

Barbara Stollberg-Rilinger
Maria Theresia. Die Kaiserin ihrer Zeit

Vier Jahrzehnte lang, von 1740 bis zu ihrem Tod im Jahre 1780, hatte eine Frau, hatte Maria Theresia das von Böhmen bis nach Norditalien reichende Imperium der Habsburger regiert und damit alle Geschlechterklischees einer harten Belastungsprobe unterzogen. Ein weibliches Wesen, das doch schwach und hilfsbedürftig sein musste, behauptete sich in der Männerwelt der Fürsten und Könige, ja mehr noch: Maria Theresia prägte eine ganze Epoche mit ihrer Reformpolitik und ihrem absolutistischen Machtanspruch. (…)
Die deutsche Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger (…) beschreibt sie als eine uns eher fremde Frau aus einer sehr fernen, spätbarocken Welt.Mehr ...
Peter Walther: Hans Fallada. Die Biographie © Aufbau Verlag, Berlin, 2017

Peter Walther
Hans Fallada. Die Biographie

Das Leben von Rudolf Ditzen, der unter dem Pseudonym Hans Fallada bekannt wurde, ist eines der großen Mysterien der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Der Germanist Peter Walther hat sich dieser schillernden und einnehmenden Figur genähert, viel neues Material aufgearbeitet (…). Walther beschreibt einen Höchst­be­gab­ten und einen Getriebenen. Einen Mann ohne Mitte, der die Extreme sucht. (…)
Fallada hatte einen scharfen Blick und ein sen­sa­tion­el­les Gehör für die Unterdogs und Sonderlinge seiner Zeit, er schaffte es, die Sorgen und Wünsche der sogenannten kleinen Leute groß und existenziell erscheinen zu lassen.Mehr ...
Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die NEUE RECHTE und der Untergang des Abendlandes © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2017

Volker Weiß
Die autoritäre Revolte. Die NEUE RECHTE und der Untergang des Abendlandes

Dies ist ein so wegweisendes wie erhellendes Buch. Es führt mitten hinein in die aktuellen Debatten, ist aber auf Tagespolitik nicht zu reduzieren. Es befasst sich mit Geschichte, ohne sie zur bloßen Vorgeschichte von Gegenwart herabzustufen. Es schildert Entwicklungen, stellt sie jedoch nicht als einfache kausale Zusammenhänge hin.
Das Thema ist die Neue Rechte, geschildert wird ihr Denken und ihr Vorgehen, das allerdings ohne jeden ideologischen Schaum vor dem Mund: Das Buch will aufklären im besten Sinne.Mehr ...
Heinrich Böll: Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind. Die Kriegstagebücher 1943-1945 © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017

Heinrich Böll
Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind. Die Kriegstagebücher 1943-1945

Obwohl man aus den Kriegstagebüchern von Heinrich Böll wenig erfährt, was man aus den Briefen nicht schon wüsste, und obwohl sie meist nur wenige zusammen­hängen­de Sätze enthalten, in der Regel bloß Stichworte, Ortsangaben, gestammelte Anrufungen, sind gerade diese Anrufungen, diese Notschreie, Stoßgebete und Hilfe­rufe wahrhaft erschütternd. (…) Sechs Jahre lang ist Böll Soldat gewesen. In dieser Zeit hat er geheiratet, seinen ersten Sohn gezeugt, der wenig später starb, seine Mutter verloren, wurde seine Heimatstadt Köln zerstört.Mehr ...
Jürgen Kaube: Die Anfänge von allem © Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2017

Jürgen Kaube
Die Anfänge von allem

Es erfordere Mut, „sich auf Anfänge festzulegen“, schrieb Jürgen Kaube einmal. Es setze außerdem eine „hohe Ansprechbarkeit durch Geschichtsphilosophie voraus“. Mut und solche Ansprechbarkeit bezeugt Kaube, Feuilleton-Chef und Mit­heraus­geber der „FAZ“, nun in einer umfangreichen Studie, deren Titel eine Enzyklopädie der Anfänge verspricht. (…) Doch Jürgen Kaube geht es gerade um das Wozu, freilich nicht im Sinne eines blanken Funktionalismus. Gerade die Technik­geschichte wird weitgehend ausgeklammert.Mehr ...
Lutz C. Kleveman: Lemberg. Die vergessene Mitte Europas © Aufbau Verlag, Berlin, 2017

Lutz C. Kleveman
Lemberg. Die vergessene Mitte Europas

Im Herbst 1990 rissen Lemberger Bürger das Lenin-Denkmal nieder. Endlich gab der Sockel aus Granit nach, Herbeigeeilte schwangen Hämmer, um das Symbol der Sowjetherrschaft vollends zu zerstörten und hielten inne. Unter der Granithaut bestand der Sockel aus Grab­steinen mit hebräischen Inschriften. Die Deutschen hatten den jüdischen Friedhof 1944 zerstört, die Sowjets herumliegende Grab­steinhaufen später verbaut.
Diese knappe Szene beschreibt der Journalist Lutz C. Kleveman in seinem zwischen Essay, historischer Recherche und Reiseführer oszillierenden Stadtporträt über Lemberg.Mehr ...
Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn: Mit Rechten reden. Ein Leitfaden © Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2017

Per Leo, Maximilian Steinbeis, Daniel-Pascal Zorn
Mit Rechten reden. Ein Leitfaden

Kann, soll und will man überhaupt mit den Anhängern der neuen Rechten reden? Diese Fragen stellen sich selbst und ihren Lesern der Historiker Per Leo, der Philosoph Daniel-Pascal Zorn und der Jurist Maximilian Steinbeis. Ihren ge­mein­samen, als „Leitfaden“ untertitelten Band „Mit Rechten reden“ verstehen sie als „Intervention“ gegen „Erwartbarkeit“ und „Nervosität“. Beides prägt die ge­gen­wär­ti­gen Debatten des linksliberalen Mainstreams, etwa zur Flüchtlingspolitik oder zur Rolle des Islam in Europa. (…) „Rechts“ ist für Leo, Zorn und Steinbeis keine mehr oder weniger konsistente politische Haltung wie „konservativ“ oder „liberal“, sondern eine bestimmte Art des Sprechens.Mehr ...
Markus Metz, Georg Seeßlen: Freiheit und Kontrolle. Die Geschichte des nicht zu Ende befreiten Sklaven © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017

Markus Metz, Georg Seeßlen
Freiheit und Kontrolle. Die Geschichte des nicht zu Ende befreiten Sklaven

Die aufregende Differenz und Identität von Freiheit und Kontrolle wäre so ein Problem, dem sich Georg Seeßlen und Markus Metz jetzt in einem Buch widmen. Das Problem kennt jeder, ich kenne es von der Französischen Revolution. Diese rief „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ aus, aber es ist klar, dass der Anspruch auf Gleichheit mit dem auf Freiheit nicht kompatibel ist. Die Propaganda will die vielen gleichen Schwestern und Brüder vor einer Freiheit schützen, die die Ungleichheit zur Voraussetzung hat. „Man braucht Kontrolle“ – dieser politische Slogan stand oft auf Plakaten. (…)Mehr ...
Christina Morina: Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte © Siedler Verlag, München, 2017

Christina Morina
Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte

Wie wird aus Theorie Praxis, aus Ideen Politik? Und wie lässt sich davon erzählen? Die Historikerin Christina Morina hat die faszinierende Form des Gruppenporträts gewählt, um davon zu berichten, wie das Theoriegebäude von Karl Marx unter die Menschen kam. Die Erfindung des Marxismus heißt ihr eindrucksvolles Buch, und eine ihrer Botschaften lautet, dass die Protagonisten mindestens ebenso sehr von Marx´ Ideen gefunden und zusammengebracht wurden, wie sie ihrerseits den Marxismus als politische Bewegung erfanden.Mehr ...
Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin © Berlin Verlag, Berlin, 2017

Ronen Steinke
Der Muslim und die Jüdin

Die Gestapo kam regelmäßig. Der ägyptische Arzt im vornehmen Berlin-Charlotten­burg schrieb 1943 zu häufig Zwangsarbeiter krank. Wenn die SS-Schergen herein­pol­ter­ten, besänftigte sie am Empfang die Muslimin Nadja. Dass sie ein Kopftuch trug und der Arzt ihr ein paar Worte auf Arabisch zurief, irritierte die Ge­heim­po­li­zisten nicht. Schließlich galten die Muslime den Nazis als potenzielle Verbündete gegen die Juden und die englischen Kolonisten am Nil. Doch die Arzthelferin ver­barg unter dem Kopftuch nicht nur ihr Haar, sondern ihr nacktes Leben. Denn Nadja war Anna, eine 17-jährige, von der Gestapo gesuchte Jüdin. (…)Mehr ...
Thomas Wagner: Die Angstmacher. 1968 und die Neuen Rechten © Aufbau Verlag, Berlin 2017

Thomas Wagner
Die Angstmacher. 1968 und die Neuen Rechten

Einen gewagten Weg beschreitet (…) der dezidiert linke Soziologe Thomas Wagner mit seinem Buch Die Angstmacher. 1968 und die Neuen Rechten (Aufbau Verlag). Im Glauben, ein offen geführter Streit führe weiter als ein Diskursausschluss, liest er nicht nur die Texte der intellektuellen Rechten der Gegenwart, sondern sucht die maßgeblichen Protagonisten auch auf.(…) Er spricht mit ihnen nicht im üblichen Gestus des extremismusforschenden Entlarvers, der eh schon weiß, was seine Gesprächspartner in Wahrheit so denken und glauben und es nur nicht so sagen, sondern als neugieriger Diskutant. Das ist zweifellos der Reiz dieses ungewöhnlichen Buches. (…)Mehr ...
Heinrich August Winkler: Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika © C.H. Beck Verlag, München, 2017

Heinrich August Winkler
Zerbricht der Westen? Über die gegenwärtige Krise in Europa und Amerika

Rund zwanzig Jahre seines wissenschaftlichen Lebens hat der Berliner Historiker Heinrich August Winkler diesem Thema gewidmet, zunächst dem "Langen Weg nach Westen", den die Deutschen gehen mussten. Dann machte er sich an eine vier­bän­di­ge Geschichte des Westens von der Antike bis in die Ge­gen­wart.
Doch kaum war der letzte Band veröffentlicht, da schien das "normative Projekt" in eine Krise gekommen: Die Europäische Union verlor an Anziehungskraft, die bisher so selbstverständlich wirkende Gemeinsamkeit von Demokratie, Liberalismus und Rechtsstaatlichkeit lockerte sich.Mehr ...