Belletristik – Romane

Theresia Enzensberger
Blaupause

© Carl Hanser Verlag, München, 2017 Theresia Enzensberger: Blaupause © Carl Hanser Verlag, München, 2017Luise Schilling, Tochter aus gutem Hause in Berlin, kommt 1921 als Studentin ans Weimarer Bauhaus. So ehrgeizig wie naiv stürzt sich die Ich-Erzählerin von „Blaupause“ ins Architekturstudium. Sie taucht ein in den esoterischen Kreis um den Schweizer Maler und Naturmystiker Johannes Itten – der damals als einer der Ersten als Meister ans Bauhaus berufen wurde – und glaubt bald, durch Fasten-Rituale und Körperkult einen Zugang zur Kunst und neue Freunde gefunden zu haben. Im Kreise der Itten-Jünger lernt sie Jakob kennen, einen dandyhaften Studenten, der nicht nur ihr den Kopf verdreht.
Doch auf die erste Liebe folgt die erste Enttäuschung. Auf die erste Begeisterung die erste Entgeisterung. „Blaupause“, Theresia Enzensbergers Debüt als Schriftstellerin, ist ein chronologisch erzählter Entwicklungsroman, eine klassische Coming-of-Age-Geschichte, in die viele historische Details einflossen.
In „Blaupause“ beleuchtet die Autorin die Selbstermächtigung einer talentierten Frau in den Zwanzigern, die erstaunlich zeitlos erscheint. Zeitlos, weil die Geschichte der Bauhaus-Studentin zeigt, wie sich patriarchale Strukturen auch in einer vermeintlich fortschrittlichen Gesellschaft manifestieren können – und dass es sich lohnt, gegen sie zu kämpfen.

Nora Voit: „Zwischen Festen und Manifest“
© die tageszeitung, 30. August 2017

Theresia Enzensberger
Blaupause
Carl Hanser Verlag, München, 2017
ISBN 978-3-446-25643-9
256 Seiten