Belletristik – Romane

Paulus Hochgatterer
Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war

© Deuticke Verlag, Wien, 2017 Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war © Deuticke Verlag, Wien, 2017Über das Ende, den Zusammenbruch, die Kapitulation, die Befreiung, wie immer man das auch nennen mag – darüber jedenfalls ist viel gesagt und viel geschrieben worden. (…) Der Österreicher Paulus Hochgatterer, der nicht nur Schriftsteller ist, sondern auch als Kinderpsychologe in Wien arbeitet, hat in einem Interview gleich zwei gute Gründe genannt, die seine neue Erzählung, ein schmales Buch von gerade einmal 110 Seiten, legitimieren: Zum einen, so Hochgatterer, sterbe nach und nach die Generation derjenigen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt hätten. (…)
Zum anderen gebe es ein verbürgtes Ereignis in seiner Familiengeschichte, die er habe erzählen wollen. Diese Begebenheit hat dem Buch seinen Titel gegeben: Auf einem Bauernhof in Niederösterreich tauchen Anfang April 1945 drei Wehr­machts­sol­da­ten auf und entdecken einen jungen Russen, der als Zwangsarbeiter in den deutschen Ostgebieten gearbeitet hat und von dort fliehen konnte. (…) Über dem Hof und über der Landschaft liegt eine merkwürdige Atmosphäre. Mit dem Nationalsozialismus hat man hier, so scheint es, noch nie sonderlich viel am Hut gehabt; unter anderem auch deshalb, weil es stets Wichtigeres zu tun gibt. Aber gewehrt oder Widerstand geleistet hat man auch nicht. Der Krieg, heißt es einmal, mache alle zu Feiglingen. Bis eben ein Held kommt und den Mund aufmacht.

Christoph Schröder: „Der Krieg macht alle zu Feiglingen“
© Frankfurter Rundschau, 11. August 2017

Paulus Hochgatterer
Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war
Deuticke Verlag, Wien, 2017
ISBN 978-3-552-06349-5
112 Seiten


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