Belletristik – Romane

Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann

© DuMont Verlag, Köln, 2017 Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann © DuMont Verlag, Köln, 2017Lekys dritter Roman „Was man von hier aus sehen kann“ macht schon im Titel klar, dass vom eigenen Standpunkt aus nie alles sichtbar und in seiner Bedeutung offen­bar werden kann. Wo die Schüsse sich lösen im Leben, bleibt immer eine Über­ra­schung. So ist das auch in dem kleinen Dorf im Wester­wald, in dem der Roman spielt - mal abgesehen davon, dass der Vater der Erzählerin Luise, der immer allen rät „mehr Welt hereinzulassen“, bald auf eine nicht mehr endende Weltreise geht. Auch die Mutter, eine Blumenhändlerin, ist eher abwesend, mit der Trennung vom Ehemann und mit ihrem Liebhaber beschäftigt, so dass die Groß­mut­ter Selma zur wichtigsten Figur für Luise und zum Mittel­punkt der Dorf­welt wird.
Luise ist anfangs zehn Jahre alt, doch sie erzählt von viel später aus, nahezu allwissend, und sie beginnt in der Wir-Form, als wäre es das Dorf selbst, das sich erinnert und zu sprechen beginnt. „Wir“ und „damals“ - das ist der Ton. In jedem der drei großen Kapitel, die 1983, 1995 und um 2005 herum spielen, geht es um den Tod und um die Liebe. Der Tod kündigt sich dadurch an, dass Selma von einem Okapi träumt. Denn so ist es mehrmals geschehen, sodass im Dorf auch diejenigen, die nicht abergläubisch sind oder das nicht zugeben wollen, den Zusammenhang nicht leugnen können. Das Okapi, irgendwo zwischen Giraffe, Tapir und Zebra angesiedelt, ist ja selbst schon Einheit des Unzusammengehörenden.

Jörg Magenau: „Wenn man vom Okapi träumt“
© Süddeutsche Zeitung 24. Juli 2017

Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
DuMont Verlag, Köln, 2017
ISBN 978-3-8321-9839-8
320 Seiten


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