Belletristik – Romane

Marion Poschmann
Die Kieferninseln

© Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017 Marion Poschmann: Die Kieferninseln © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017„Die Kieferninseln“ ist vor allem ein immens komisches Buch. Dabei könnte man sich die Grundkonstellation kaum trauriger vorstellen. Der eine Mann, ein deutscher Kulturwissenschaftler namens Gilbert Silvester (derzeitiges Spezial-, aber auch aka­de­misches Not­stands­gebiet: Bart­forschung, (…) hat gerade die Flucht an­ge­tre­ten vor dem Verdacht, seine Frau betrüge ihn. Dafür gibt es zwar außer einem Traum kein Indiz, aber den im Leben bereits vielfach gescheiterten Herrn treibt es so weit weg, wie er es sich nur vorstellen kann: mit dem nächsten Flieger nach Japan („alles in allem bartlose Personen“). Dort trifft er im spätsommerlichen Tokio zu­fällig den Studenten Yosa Tamagotchi, der sich gerade aus Prüfungsangst um­brin­gen will. Der dünne Ziegenbart des jungen Mannes lässt ihn dem Deutschen sympathisch erscheinen, jenem macht die unverhoffte Begegnung jedoch einen Strich durch die suizidale Rechnung, weil Silvester die neue Aufgabe seines Lebens nun darin sieht, das von Tamagotchi zu erhalten.
Gemeinsam brechen beide zu einer Pilgerreise auf Leben und Tod auf, mit zwei Büchern als Leitfäden im Gepäck: „Das vollständige Selbstmordhandbuch“ mit Empfehlungen attraktiver Suizidplätze und Bashos berühmtes, vor mehr als dreihundert Jahren entstandenes Reisebuch „Auf schmalen Pfaden ins Hinterland“.

Andreas Platthaus: „Matsushima ya, Aha Matsushima ya, Matsushima ya“
© Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. September 2017

Marion Poschmann
Die Kieferninseln
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017
ISBN 978-3-518-42760-6
164 Seiten


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