Belletristik – Romane

Ingo Schulze
Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst

© S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017 Ingo Schulze: Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017Es gehört zum großen Geheimnis der DDR, dass sie tatsächlich einen neuen Menschen geschaffen hat, der selbst den Zusammenbruch des Ostblocks ziemlich gut überlebt hat: den kritischen Bürger des Sozialismus. (…) Diesem kritischen Bürger der DDR, diesem Michel des wahren Sozialismus, den es derart verbreitet in keinem anderen Land des Ostens gab, hat der Schriftsteller Ingo Schulze mit seiner Figur Peter Holtz jetzt ein Denkmal gesetzt. Holtz, ein Waisenkind aus der DDR, nimmt den Sozialismus ernster als alle anderen Menschen um ihn herum, ja selbst ernster, als es Partei und Stasi gestatten. Er taugt mit seiner Naivität nicht einmal zum Spitzel, belehrt aber Freunde und Feinde auf Hunderten von Seiten über den wahren Kommunismus. Dem Schelm dieses Schelmenromans widerfahren genregemäß die lustigen Abenteuer, er gestaltet sie nicht. (…)
Wie fremdgesteuert findet er sich schließlich in der Ost-CDU wieder und wird beinahe zu einer maßgeblichen Figur der sogenannten Wende. Wie fremdgesteuert agiert er dann auch im Kapitalismus, wo er aus purem Zufall zu erheblichem Wohlstand und einem fetten Bauch gelangt. (…) Es mag im Osten die Repression gegeben haben, im Westen aber regiert das kalte Herz des Kapitalismus. Man wird reich, unglücklich und entfremdet. Diese Annahme noch einmal sehr deutlich und sehr ernsthaft herauszustellen, gelingt Ingo Schulze über die Figur eines ahnungslosen Helden, der sich wundernd durch die Welt läuft.

Adam Soboczynski: „Von Nicaragua träumen“
© Die Zeit, 6. September 2017

Ingo Schulze
Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017
ISBN 978-3-10-397204-7
576 Seiten