Belletristik – Romane

Uwe Timm
Ikarien

© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017 Uwe Timm: Ikarien © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017München ist im Frühjahr 1945 eine Ruinenstadt: Im Dach der Pinakothek, der Universität und vieler anderer Gebäude klaffen große Löcher, von Fliegerbomben in den letzten Tagen des Krieges gerissen. (…) Das Ende des Krieges ist eine Zeit, auf die Timm, der sie selbst als Fünfjähriger erlebt hat, immer wieder zurückkommt. In seinem erfolgreichsten Buch, „Am Beispiel meines Bruders“, hat er schon nach dem gesucht, was den älteren Bruder damals dazu gebracht hat, nach Russland in den Krieg zu ziehen. „Ikarien“ beginnt nun mit einer Rückkehr: Der junge Michael Hansen kommt aus den USA, in die seine Familie schon viele Jahre vor dem Krieg ausgewandert war, nach Deutschland zurück. Wegen seiner Sprachkenntnisse wird er als GI vom amerikanischen Geheimdienst für besondere Aufgaben eingesetzt: Er soll Nachforschungen die Arbeiten des deutschen Arztes und Eugenikers Alfred Ploetz betreffend anstellen.
Vordergründig interessieren sich die Amerikaner für dessen Ideen zur „Verbesserung“ aller Menschen zum Ziele einer idealen Gesellschaft oder, wie es auch formuliert wurde, zur „Ausjätung des minderwertigen und kranken Erbguts“. Bestrebungen, das eigene Volk durch die Partnerwahl oder Zwangssterilisierungen zu etwas Besserem heranzuzüchten, gab es nicht nur in Deutschland. (…) Für ihn, den jungen, fließend Englisch und Deutsch sprechenden amerikanischen Offizier nimmt der Sommer in der zerstörten Stadt seltsam paradiesische Züge an.

Nicolas Freund: „Krieg gegen das Leben“
© Süddeutsche Zeitung, 22. September 2017

Uwe Timm
Ikarien
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017
ISBN 978-3-462-05048-6
512 Seiten