Belletristik – Romane, Erzählungen

Ingeborg Bachmann: Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit © Verlage Suhrkamp und Piper, Berlin/ München, 2017

Ingeborg Bachmann
Male oscuro. Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit

Es ist eine Veranstaltung, bei der viel von Skrupeln die Rede ist, mit denen man umgehen muss, wenn man die Texte und Briefe der 1973 tragisch zu Tode gekommenen Ingeborg Bachmann neu editiert oder überhaupt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Und wie um sich selbst Mut zu machen, haben die Herausgeber unter der Führung des Salzburger Germanisten Hans Höller gleich zu Beginn Privates aus Bachmanns schlimmsten Jahren aus dem Archiv geholt. Bisher nie Gelesenes.Mehr ...
Lukas Bärfuss: Hagard © Wallstein Verlag, Göttingen, 2017

Lukas Bärfuss
Hagard

Auf knapp 180 Seiten entwickelt Bärfuss eine Geschichte, die sich an wenigen Märztagen in einer Stadt zugetragen hat, „in der Gleichgültigkeit die vorherrschende Haltung ist“. Arbeit, Verkehr, Alltagsleben, alles an diesem Ort ist der Produktivität unterworfen. Und doch schleichen sich in „Hagard“ Zweifel ein, ob der unendliche Wohlstand und die gesellschaftliche Unbeschwertheit nicht bald Geschichte sind. (…)Mehr ...
Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017

Zsuzsa Bánk
Schlafen werden wir später

Zwei Mäd­chen, seit ih­rer Kind­heit enge Freun­din­nen – das wa­ren die Haupt­fi-gu­ren in Zsuz­sa Bánks Er­folgs­ro­man Die hel­len Tage, der 2011 er­schien. Auch Már-ta und Jo­han­na, die Hel­din­nen ih­res neu­en Buchs, sind bes­te Freun­din­nen seit Kin-der­ta­gen. Aber sie sind in­zwi­schen er­wach­sen, Mit­te vier­zig, und es ist ih­nen schmerz­lich be­wusst, dass ihr Le­ben halb vor­bei ist.Mehr ...
Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern © Aufbau Verlag, Berlin, 2017

Olga Grjasnowa
Gott ist nicht schüchtern

In ihrem dritten Roman „Gott ist nicht schüchtern“ hat Olga Grjasnowa das Gefälle zwischen der gesellschaftlichen wie biografischen Ausgangsposition ihrer Protagonisten und deren weiterer Lebensgeschichte besonders steil angelegt. Im Lauf der Jahre zwischen 2011 und 2016 werden Hammoudi und Amal alles einbüßen, was ihr bisheriges Dasein ausmachte. (…)Mehr ...
Gerhard Henschel: Arbeiterroman © Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2017

Gerhard Henschel
Arbeiterroman

Dieser Roman handelt wie die sechs vorherigen Wälzer seiner Chronik der Wohlstands-BRD vom Klebstoff in einer klassischen Mittelschichtsfamilie, seiner Familie… (…). Seit der Großeltern-Generation wurde in Henschels Familie der Alltag vermessen und gebannt, sei es in Bau- oder Liebestagebüchern, Fotoalben und langen Briefen.
Aus diesem Material, das Henschel eingesammelt hat und in seinem Keller sortiert hält, sowie intensiven Recherchen in Staatsbibliotheken über Produkte, politische Ereignisse und programmatische Zeiterscheinungen, rekonstruiert er seine Vergangenheit im Tempo „eineinhalb Seiten pro Tag“Mehr ...
Juliana Kálnay: Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens © Klaus Wagenbach Verlag, Berlin, 2017

Juliana Kálnay
Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

Die Welt steht Kopf im Wohnhaus mit der Nummer 29: Ein Mann, der sich langsam in einen Baum verwandelt. Ein anderer, der in den Fahrstuhl zieht. Ein Kind, das spurlos verschwindet und sich wie ein Maulwurf in Löchern versteckt. Ein Fotograf im Souterrain, der mit seiner Familie in kompletter Dunkelheit wohnt. Und dann die Zwillingsbrüder im zweiten Stock rechts, die womöglich ein und dieselbe Person sind. Juliana Kálnays Debütroman „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ ähnelt einem Wimmelbild grotesker Szenen und rätselhafter Figuren, die einzig verbunden sind durch das Haus, das sie bewohnen. (…)Mehr ...
Anna Kim: Die große Heimkehr © Suhrkamp Verlag, Berlin, 2017

Anna Kim
Die große Heimkehr

Angesichts der Blitzkarriere des Ausdrucks „postfaktisch“ könnte man meinen, es hätte kein zwanzigstes Jahrhundert gegeben. Keine Lügen in Zeiten des Krieges, keine Umerziehungslager und Propagandaministerien (…). Da erteilt Anna Kims Roman „Die große Heimkehr“ eine doppelte Geschichtslektion. Ihr gelingt eine erzählerisch spannend und anschaulich vermittelte Einführung in die propagandistisch umkämpfte Geschichte Koreas. Die dort im Jahr 1977 geborene Autorin ist 1979 mit ihrer Familie zunächst nach Deutschland und dann nach Österreich ausgewandert. (…)Mehr ...
Dirk Kurbjuweit: Die Freiheit der Emma Herwegh © Carl Hanser Verlag, München, 2017

Dirk Kurbjuweit
Die Freiheit der Emma Herwegh

Der Roman handelt von den vergeblichen Kämpfen und der fürchterlichen Liebe des demokratisch-revolutionären Poeten Georg Herwegh und seiner Frau Emma. Ihre gemeinsame Geschichte besteht aus einer politischen Farce und einer privaten Tragödie. Sie handelt von Emanzipation und Aufbruch, aber auch von zerstörerischer Leidenschaft: von Selbstgerechtigkeit auf seiner, von Selbstlosigkeit auf ihrer Seite. „Die Freiheit der Emma Herwegh“ hat Kurbjuweit seinen Roman genannt, obwohl Zeitgenossen dieser tapferen Frau vorwarfen, sie habe sich zur Sklavin ihres Mannes gemacht. (…)Mehr ...
Jonas Lüscher: Kraft © C. H. Beck Verlag, München, 2017

Jonas Lüscher
Kraft

Der Mann, um den es hier geht, weiß, was er will, hat Ideen und Durch­setzungs­ver­mögen, hat Kraft also – für längere Zeit. Doch seit er sich eingerichtet hat in seiner Karriere, seit er seine bürgerlichen Familienträume verwirklicht und schon wieder ausgeträumt hat, tritt er recht unzufrieden auf der Stelle. Sein alter Studienfreund István, der in den USA lebt, rät ihm zu einem verlockenden Angebot. Auf die überzeugende Beantwortung der Frage, weshalb alles, was ist, gut sei und dennoch verbesserbar, sind eine Million Dollar ausgesetzt. (…)Mehr ...
Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2017

Eva Menasse
Tiere für Fortgeschrittene

Ist das nun Fluch oder Segen? „In letzter Zeit kann man sich auf überhaupt nichts mehr einigen“, beklagt sich die Gastgeberin, als im Freundeskreis die alten Gewissheiten bröckeln: Sollen Berichte über Verbrechen auch die Nationalität der Täter enthalten, oder ist das, wie einer meint, rassistisch und bedient Vorurteile? (…) Ist die Kontroverse ein Zeichen, wie ein Gast meint, dass es „unter uns auch immer rechter“ wird? Oder kann man, wie Nora, froh sein, dass es in den Gesprächen „ausnahmsweise um etwas geht“? (…)Mehr ...
Jochen Schmidt: Zuckersand © C. H. Beck Verlag, München, 2017

Jochen Schmidt
Zuckersand

Der Vater, der in Jochen Schmidts Roman „Zuckersand“ den Sohn durch den Groß­stadt­dschun­gel schiebt - zuerst im Kinderwagen, dann auch mit Bobby-Car und Laufrad - dieser Vater ist ein pointensicherer Spaßvogel, einerseits. Aber das betrifft nur die Show-Seite, denn andererseits haben wir es mit einem verträumt schrulligen Berliner Kreativ-Wolkenkuckucksheimer zu tun, der die Brutpflege übernimmt, während die Freundin und Kindsmutter Klara einem soliden Job beim Denkmalamt nachgeht.Mehr ...
Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017

Martin Walser
Statt etwas oder Der letzte Rank

Anders als sein Antipode Günter Grass, der sich oppositionell gerierte und dabei immer im Mainstream schwamm, fiel Walser nie auf die Füße, sondern verfing sich in teilweise selbstgestellten Fallen; schwer zu sagen, was daran Prinzipientreue war und was taktisches Ungeschick. Die schmerzlichen Reflexe auf all diese Vorgänge durch­zucken das Buch dicht unter der Haut seiner behaupteten Gelassenheit. Und dann natürlich das Kapitel: Walser und die Frauen. Hier bietet sich dem Leser, obschon in anonymisierter und anekdotisierter Form, doch so etwas wie die Erinnerung an konkrete Erlebnisse dar.Mehr ...
Anne Weber: Kirio © S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2017

Anne Weber
Kirio

Ein so ein leichtfüßig daherkommendes Kabinettstück zwischen Kindermärchen, Schelmenroman, Lebensweisheitsgleichnis und Heiligenlegende ist uns in der eher bedeutungsschweren Romanliteratur unserer Jahre nicht mehr begegnet. Mit ihrer Geschichte aus dem Leben eines ins Wunderbare gespiegelten Taugenichts hat die Autorin ein kleines Zauberding geschaffen (…). Mit Lebensplänen, Überzeugungen, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit, überhaupt Zielen, ist diesem Wesen namens Kirio nicht zu kommen. Er trollt sich durch die Welt, am liebsten auf den Händen gehend, nimmt die Dinge, wie sie kommen.Mehr ...
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol © Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2017

Natascha Wodin
Sie kam aus Mariupol

Natascha Wodin ist die Tochter einer ukrainischen Zwangsarbeiterin, eine von vielen Millionen Menschen, die von den Nationalsozialisten nach Deutschland deportiert wurden. Indem sie ihre Mutter aus der Anonymität herausholt, macht sie ein Schicksal sichtbar, das auf ähnliche Weise viele getroffen hat; und über das es so gut wie keine literarischen Zeugnisse gibt (…). Wodin schließt diese literarische Lücke. (…) Die Schriftstellerin wusste lange Zeit nicht, dass sie das Kind von ZwangsarbeiterInnen ist, sondern nur, „dass ich zu einer Art Menschenunrat gehörte, zu irgendeinem Kehricht, der vom Krieg übrig geblieben war“.Mehr ...