Wilhelm Genazino

Wenn wir Tiere wären

© Hanser Verlag, München, 2011Wilhelm Genazino: Wenn  wir Tiere wären © Hanser Verlag, München, 2011 Es ist schon beeindruckend, mit welcher Konsequenz die Figuren Wilhelm Genazinos immer einsamer werden. Sie wehren sich zwar gegen die Unzumutbarkeiten des täglichen Lebens und die Peinlichkeitsschwellen, aber so, wie die gesellschaftliche Entwicklung unaufhaltsam fortschreitet, wird auch das Schamgefühl der Genazino-Menschen immer größer. Obwohl in seinen Romanen Politik keine Rolle spielt, sind sie ein schmerzhaft genauer Spiegel der Veränderungen. Über Fußgängerzonen, Einfamilienhäuser und Arbeitsverhältnisse erfährt man nirgendwo Heftigeres als bei Genazino. (…) Der Held dieses Buches ist ein freier Architekt, und diese freie Tätigkeit ist der beredteste Ausdruck der von Genazino ständig umkreisten freien Existenz. Stundenlang muss er sich seiner selbst versichern, durch ziellose Spaziergänge und Fensterausblicke, bis er fast somnambul die ausbaufähige Skizze einer neuen Tankstelle oder eines Brückenprojektes ausführt. (…) Der Held ist ein bloßer Spielball der Verhältnisse, die grotesken Situationen steigern sich, und den roten Faden bilden dabei diverse kleinkriminelle Formen des Betrugs. Wie so häufig in den Texten Genazinos stehen aber nicht so sehr die Handlung und ihre Verwicklungen im Mittelpunkt, sondern die scharfen Sätze und die grellen Beobachtungen.

Helmut Böttiger: „Die Sehnsucht nach Rollmöpsen“
© Süddeutsche Zeitung, 26. Juli 2011

Wilhelm Genazino
Wenn wir Tiere wären
Hanser Verlag, München, 2011
ISBN 978-3-446-23738-4
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