Engel des Vergessens

Das Thema, das bei Peter Handke nur am Rand vorkommt, steht bei Maja Haderlap im Zentrum ihres Buches: der einzige nennenswerte militärische Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf dem Territorium des Dritten Reiches. Es waren die Kärntner Slowenen, die das Aussichtslose versuchten und dafür massenhaft mörderisch bestraft wurden, was in der österreichischen Geschichtsschreibung fast völlig verschwiegen wird. Im kollektiven Gedächtnis existieren vage die „Partisanenkämpfe“ und verschiedene „Hinrichtungen“, aber kaum jemand weiss, dass auch unbeteiligte Angehörige von Partisanen gefoltert und systematisch in Konzentrationslager deportiert wurden. (…) Maja Haderlap erzählt diese historische Tragödie anhand ihrer Familiengeschichte, indem sie bravourös die verschiedensten literarischen Register zieht, die von der anfänglichen Kinderperspektive bis zur geschichtskundigen Essayistik und zur wortmagischen Poesie reichen. (…) Dass sie mit einem Auszug aus ihrem Roman „Engel des Vergessens“ den letzten Bachmann-Preis gewonnen hat, ist nicht nur aus ästhetischen Gründen richtig. Angesichts des allgemein verbreiteten Jörg-Haider-Geistes ist es auch eine unverhoffte späte Gerechtigkeit, dass der slowenischen Minderheit in Kärnten solche Beachtung widerfährt und dass sie ein literarisches Denkmal erhält. Franz Haas: „Gegen das Schweigen nach dem Sturm“
© Neue Zürcher Zeitung, 8. Oktober 2011
Maja Haderlap
Engel des Vergessens
Wallstein Verlag, Göttingen, 2011
ISBN 978-3-8353-0953-1
Engel des Vergessens
Wallstein Verlag, Göttingen, 2011
ISBN 978-3-8353-0953-1










