Weiskerns Nachlass

Das Problem kennt Christoph Hein aus seinem Bekanntenkreis: „Ich habe Freunde mit halben Stellen an Universitäten. Die stellen laufend Anträge, die dann abgelehnt werden." Das hat ihm den Schreibimpuls für seinen jüngsten Roman „Weiskerns Nachlass" geliefert. (…) Das Buch versetzt uns Leser in tiefe Beunruhigung über die Zustände an deutschen Hochschulen. Wir lernen einen Germanisten und Theaterwissenschaftler kennen, Rüdiger Stolzenburg. Einer von jenen mit halber Stelle. Seit 15 Jahren bereits. Finanziell kann er sich nur gerade so über Wasser halten, mit Vorträgen, Aufsätzen, Rezensionen. Sein Problem: Er ist bereits 59. Ohne Aussicht auf volle Stelle und Verbeamtung. Das hat ihn verändert: Illusionen und Ehrgeiz von einst sind ihm abhanden gekommen. (…) Hein schildert uns den Wissenschaftsbetrieb in Zeiten des Sparzwangs. Er stellt zwei Welten in der Gesellschaft der Bundesrepublik gegenüber: Geisteswissenschaftler wie Stolzenburg, die ihre Arbeit tun, weil sie ihrem Leben einen Sinn gibt, was aber schlecht bezahlt wird. Und jene, für die das Geldverdienen zum Lebenszweck geworden ist und die damit mehr Erfolg haben. Diese erfolgreichen Geldmenschen, registrieren wir mit Beklemmung, drängen jene Geistesmenschen, denen Geld Mittel zum Zweck sinnvoller Tätigkeit ist, an die Wand.Tomas Gärtner: „Die destruktive Wirkung des Geldes“
© Leipziger Volkszeitung, 23. September 2011
Christoph Hein
Weiskerns Nachlass
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2011
ISBN 978-3-518-42241-0
Weiskerns Nachlass
Suhrkamp Verlag, Berlin, 2011
ISBN 978-3-518-42241-0










