Angelika Klüssendorf

Das Mädchen

© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011Angelika Klüssendorf: Das Mädchen © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011 Es gibt nur wenige Momente der Hoffnung in diesem Buch. Ja, schlimmer noch: Das Mädchen, dessen Namen wir nicht erfahren und das am Anfang zwölf Jahre alt ist, lernt, sich vor der Hoffnung wie vor einer heimtückischen Krankheit zu hüten. Denn auf Hoffnung folgen zuverlässig Enttäuschung und neue Verwundungen. Also beschließt sie, „dass es ihr nie wieder passieren wird, hoffnungsvoll irgendwohin zu fahren". Wenn sie abhaut, von zu Hause und der völlig unberechenbaren, brutalen Mutter oder später aus dem Heim, weil sie sich, so verrückt das auch ist, nach Hause sehnt, dann nur, um sich in Sicherheit zu bringen, nicht weil irgendwo anders Besseres zu erwarten wäre. (…) Die auktoriale Erzählerstimme bietet keine rettende Distanz. Das macht diesen Roman, dessen Kraft man sich nicht entziehen kann, aber auch sehr hermetisch. Ereignis folgt auf Ereignis, Katastrophe auf Katastrophe, so geht es immer weiter. Vielleicht muss das Buch deshalb so abrupt enden, weil es ein Ende dieser Verhängniskette gar nicht geben kann. Da ist das Mädchen 17 Jahre alt, absolviert eine Lehre in einer LPG als Rinderzüchterin, aber es ist absehbar, dass auch daraus nichts werden wird. Man wüsste gern, wie es ihr in Zukunft ergeht.

Jörg Magenau: „Hoffnung wäre nur eine weitere Falle gewesen“
© die tageszeitung, 24. September 2011

Angelika Klüssendorf
Das Mädchen
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln, 2011
ISBN 978-3-462-04284-9
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